29.04.2020

IMMER MEHR MÜTTER ARBEITEN NUR TEILZEIT

Die Quote der Frauen, die Teilzeit arbeiten, ist in Österreich in den vergangenen Jahrzehnten besonders stark gestiegen, die überwiegende Mehrheit sind Mütter. Wie sich das stundenweise Arbeiten von Frauen mit Kindern über die Generationen hinweg entwickelt hat, spiegelt eine neue Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Wien wider.

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Kaum irgendwo sonst in Europa sind so viele Mütter in Teilzeit beschäftigt, wie in Österreich. Teilzeitarbeit gehört seit Jahrzehnten zur Normalarbeitszeit für Frauen mit Kindern – und ist in den letzten zwanzig Jahren sogar noch gestiegen: Derzeit liegt die Teilzeitquote von Frauen bei fast 50 Prozent.

Welche Auswirkungen Mutterschaft auf die Erwerbsarbeit von Frauen hat, das haben Wissenschaftler/innen vom Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und vom Institut für Soziologie der Universität Wien untersucht. Caroline Berghammer und Bernhard Riederer wollten herausfinden, wie sich die Erwerbstätigkeit von Müttern und kinderlosen Frauen in Österreich über Generationen hinweg entwickelt hat. Dazu haben sie sich anhand der Daten des österreichischen Mikrozensus die Erwerbsarbeitsbiografie von Frauen der Geburtsjahrgänge von 1940 bis 1979 angesehen. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift European Sociological Review publiziert.

Pressebild


Früher mehr Hausfrauen, heute mehr Teilzeit

Während in der Generation, der zwischen 1940 und 1949 Geborenen, das Hausfrauenmodell noch relativ stark verbreitet war und rund die Hälfte der Frauen mit Kindern betraf, spielt es in der Generation, der zwischen 1970 und 1979 Geborenen, kaum noch eine Rolle. Bei der jüngeren Generation waren 80 bis 90 Prozent der Frauen mit einem Kind im Volksschulalter wieder erwerbstätig. Allerdings – und das mag überraschen – arbeiteten sie nach dem Wiedereinstieg weniger Stunden als die Generationen davor.

„Der Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit ist differenzierter zu betrachten“, sagt deshalb Bernhard Riederer. Denn: „Der steigende Anteil von Teilzeiterwerbstätigen bedeutete etwa auch, dass Mütter mit Kleinkindern durchschnittlich weniger Stunden arbeiten als früher. Erst mit Kindern im Volksschulalter verrichten Mütter durchschnittlich mehr Arbeitsstunden als in früheren Geburtsjahrgängen.“

Waren erwerbstätige Mütter der älteren Generation, zum Großteil in Vollzeit tätig (rund 70 Prozent), überwiegt bei den Müttern der jüngeren Generation die Teilzeitbeschäftigung (rund 70 Prozent). Werden die Kinder größer, wird auch die Teilzeitarbeit ausgeweitet oder auf Vollzeit aufgestockt. Die Teilzeiterwerbstätigkeit bleibt in vielen Fällen aber ein längerfristiges Engagement. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass viele Mütter sehr lange in Teilzeit verbleiben, oft bis ihre Kinder Teenager oder älter sind“, so Caroline Berghammer.

Neue Kluft zwischen kinderlosen Frauen und Müttern

Teilzeitarbeit hilft im Alltag Beruf und Familie zu vereinbaren – und ist vorwiegend Frauensache. Zum Vergleich: Die Teilzeitquote von Vätern (mit Kindern unter 15 Jahren) beträgt aktuell sechs Prozent und ist damit sogar geringer als die Teilzeitquote von Männern ohne Kinder (elf Prozent).

Das Problem an Teilzeitarbeit: „Langfristig ist Teilzeitarbeit mit negativen Konsequenzen für Pensionsansprüche, Karrierechancen oder Armut unter Alleinerzieherinnen verbunden“, so Berghammer.

Zudem weisen die Befunde darauf hin, dass eine neue Form der Ungleichheit unter den Frauen entstanden ist. Soziologin Berghammer: „Früher gab es eine Kluft zwischen Hausfrauen und Frauen am Arbeitsmarkt. Auch Mütter, die arbeiteten, arbeiteten Vollzeit. Heute gibt es eine andere Kluft am Arbeitsmarkt: zwischen kinderlosen Frauen in Vollzeitbeschäftigung und Müttern, die häufig Teilzeit arbeiten.“

 

Publikation

"The Part-Time Revolution: Changes in the Parenthood Effect on Women’s Employment in Austria across the Birth Cohorts from 1940 to 1979", Bernhard Riederer, Caroline Berghammer, European Sociological Review, 2020
DOI: https://doi.org/10.1093/esr/jcz058

Förderung

Die Studie entstand im Rahmen des durch den Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts „Running against the clock. Realising family plans over the life course“ (FWF P 28071-G22; Projektleiterin: Isabella Buber-Ennser, ÖAW).

Rückfragehinweise

Sven Hartwig
Leiter Öffentlichkeit & Kommunikation
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43 1 51581-1331
sven.hartwig(at)oeaw.ac.at

Wissenschaftliche Kontakte:

Caroline Berghammer
Institut für Demographie
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Vordere Zollamtsstraße 3, 1030 Wien
und
Institut für Soziologie
Universität Wien
Rooseveltplatz 2, 1090 Wien
caroline.berghammer(at)oeaw.ac.at 

Bernhard Riederer
Institut für Demographie
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Vordere Zollamtsstraße 3, 1030 Wien
und
Institut für Soziologie
Universität Wien
Rooseveltplatz 2, 1090 Wien
bernhard.riederer(at)oeaw.ac.at

 


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