03.06.2015

Erste Historic Site der Physik in Österreich

Ehemaliges Institut für Radiumforschung als bedeutender Ort physikalischen Forschens ausgezeichnet

Bild: POV

Bild v.l.n.r.: Peter Maria Schuster, Eberhard Widmann, Margit Fischer, Luisa Cifarelli, Anton Zeilinger, Caslav Brukner.

Für die Vorsitzende des Historic-Site-Kommitees der European Physical Society (EPS), Luisa Cifarelli, war es der erste Aufenthalt in Wien. Ihre renommierte Gesellschaft hat das ehemalige Institut für Radiumforschung zum historischen Ort der Physik ernannt. Am 29. Mai 2015 fand die feierliche Zeremonie statt.

Vor dem Eingang der Boltzmanngasse 3, wo heute das Stefan Meyer Institut für subatomare Physik (SMI) und das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation Wien (IQOQI Wien) der ÖAW forschen, waren Wissenschaftler, politische und wissenschaftliche Prominenz, Mitarbeiter, Studenten und zahlreiche Fotografen versammelt. Auch die Gattin des Bundespräsidenten und Vorsitzende des ScienceCenter Netzwerkes Margit Fischer war darunter. Sie alle waren gekommen, um der festlichen Enthüllung der Gedenkplakette des Historic-Site-Kommitees beizuwohnen. Nach einer kurzen Willkommensrede durch Eberhard Widmann, Direktor des Stefan Meyer Instituts, war es soweit. ÖAW-Präsident Anton Zeilinger auf der einen Seite, die ehemalige EPS-Präsidentin Luisa Cifarelli auf der anderen Seite enthüllten die Gedenkplakette, die das Haus als historische Stätte kennzeichnet, an dem entscheidende Wegmarken der physikalischen Forschung gesetzt wurden.

Pioniere der Forschung

In Österreich ist das älteste Institut der ÖAW bislang die erste Historic Site. Weltweit war es die erste Einrichtung, die sich explizit der Erforschung der Radioaktivität widmete. Unter anderem wurde das Atomgewicht des Radiums hier bestimmt. Einzigartig war auch die Entwicklung von Radiumstandards für Eichzwecke. Die Nobelpreisträger Victor Hess (Entdecker der kosmischen Strahlung) und George de Hevesy sowie Wissenschaftsgrößen wie Stefan Meyer, Karl Przibram, Friedrich Adolf Paneth, Otto Hönigschmid und Marietta Blau haben hier gearbeitet. Für Wissenschaftsinteressierte, Nachbarn, Flaneure und Wien-Touristen ist ab dem 29. Mai beim Vorbeigehen nachzulesen, dass das Gebäude in der Boltzmanngasse 3 sich nun in einem erlesenen Kreis von bislang 24 anderen Historic Sites in Europa befindet, darunter das Niels Bohr-Institut in Kopenhagen oder der erste Teilchenbeschleuniger am CERN bei Genf.

Eberhard Widmann führte zusammen mit Caslav Brukner (Direktor des IQOQI) als Gastgeber durch die Feier. Es sprachen Peter Maria Schuster, der Präsident der Sektion Geschichte der Physik der EPS, die Bezirksvorsteherin des 9. Bezirks Martina Malyar, Luisa Cifarelli und Anton Zeilinger, der darauf aufmerksam machte, dass das Institut einen besonders hohen Frauenanteil unter den Forschern vorzuweisen hatte (zwischen den Kriegsjahren lag dieser bei 38 %). Zeilinger sensibilisierte auch am Beispiel dieses Instituts für das Thema  der vertriebenen und ermordeten Wissenschaftler während des Nationalsozialismus, indem er daran erinnerte, dass das Institut für Radiumforschung hohe personelle Verluste unter den Nazis zu erleiden hatte. Bei einer Führung durch das Haus konnten die Labors der beiden Institute besichtigt werden. Zum Abschluss hielt im Festsaal der ÖAW im Rahmen eines Festkolloquiums unter anderem der Experimentalphysiker Gerald Gabrielse von der Harvard University einen Vortrag.
 


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