16.01.2020

China ehrt Altpräsident Mang

Das wissenschaftliche Lebenswerk von Herbert Mang wurde mit der höchsten Auszeichnung gewürdigt, die China für Forschungsleistungen aus dem Ausland vergibt.

© TU Wien

Der "International Science and Technology Cooperation Award" ist der höchste Wissenschaftspreis, den China an ausländische Forscher/innen vergibt, die eine Schlüsselrolle bei der wissenschaftlichen Entwicklung des Landes gespielt haben.

Von den zehn Preisen, die heuer überreicht wurden, ging erstmals auch einer nach Österreich: Ausgezeichnet wurde Herbert Mang, wirkliches Mitglied und Altpräsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Er erhielt den Preis für seine wichtigen Beiträge zur Stabilitätslehre und für seinen jahrelangen Einsatz für die Vertiefung der Beziehungen der österreichischen und chinesischen Forschung. Die weiteren Preisen gingen in die USA sowie nach Großbritannien, Russland, Finnland, Italien, Norwegen und Pakistan. Der Preis wurde am 10. Jänner 2020 in der Großen Halle des Volkes in Peking von Staatspräsident Xi Jinping überreicht.

Grundlagenforschung und Praxis im Blick

Bei seiner Forschung hatte der Bauingenieur Herbert Mang stets den praktischen Nutzen im Blick. Denn gerade in den Ingenieurwissenschaften, so ist er überzeugt, müssen Grundlagenforschung und angewandte Forschung Hand in Hand arbeiten. Demgemäß berechnete er das Stabilitätsverhalten von Brücken, untersuchte Einsturzursachen von Kühltürmen und analysierte die Strukturmechanik von Konstruktionen aus Stahl und Beton. Bereits in den Siebzigerjahren benützte er dafür aufwändige Computerverfahren und entwickelte den Methodenkanon seines Faches – etwa im Bereich der finiten Elemente – erfolgreich weiter.

Von Wien über Amerika an die ÖAW

Herbert Mang, geboren 1942 in Wien, promovierte 1970 an der TU Wien, als Fulbright-Fellow erhielt er 1974 zudem an der Texas Technological University seinen Ph.D. Er blieb in den USA: Mit einem Max-Kade-Stipendium ging er an die Cornell University, wo er auch seine Habilitationsschrift verfasste, die dann an der TU Wien angenommen wurde. 1979 wurde Mang an die TU Wien berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2010 als Professor, Institutsvorstand und Prorektor sowie in weiteren Funktionen wirkte.

Mit der ÖAW ist Mang seit Langem eng verbunden. 1985 wurde er zum korrespondieren Mitglied gewählt, seit 1992 ist er wirkliches Mitglied der Akademie in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse. Zwischen 1995 und 2003 war er zudem Generalsekretär der ÖAW und im Anschluß daran bis 2006 Präsident. Parallel dazu wurde Mang außerdem in den österreichischen Wissenschaftsrat berufen, dessen stellvertretender Vorsitzender er später wurde.

Kooperation zwischen Österreich und China

Die Liste von Mangs wissenschaftlichen Auszeichnungen ist lang. Er ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Institutionen, wie der U.S. National Academy of Engineering und der Chinese Academy of Engineering, Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich sowie des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Seine Aktivitäten in China reichen bis in die frühen 1980er Jahre zurück. 1981 war er als UNIDO-Fachexperte für 3 Monate am Zhengzhou Research Institute for Mechanical Engineering tätig. Seine jahrelange Kooperation mit der Tongji University führte 2012 zu seiner Berufung zum National RPGE Chair Professor und 2017 zum Full Professor am College of Civil Engineering der Tongji University.

Auch für die Zukunft sieht Mang eine enge Zusammenarbeit Österreichs und Chinas in der Wissenschaft als positiv für beide Länder. Gegenüber der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua sagte er: "Ich bin optimistisch, dass die gegenseitige wissenschaftliche Wertschätzung chinesischer und österreichischer Forscher zu einer weiteren Intensivierung der gemeinsamen Forschungsaktivitäten zum Nutzen beider Länder und darüber hinaus führen wird."