08.04.2020

BEPICOLOMBO VERABSCHIEDET SICH IN RICHTUNG MERKUR

Die europäisch-japanische Raumsonde BepiColombo wird sich am 10. April auf beinahe 12.700 Kilometer der Erde nähern, um deren Anziehungskraft für eine Bahn- und Geschwindigkeitsänderung zu nutzen. Die Sonde soll eine umfassende Beschreibung von Merkur und Hinweise auf seine Geschichte liefern. An der Mission ist auch die Weltraumforschung der ÖAW mit drei Messgeräten beteiligt.

© ESA/ATG medialab

Benannt ist die Doppelraumsonde BepiColombo nach dem italienischen Mathematiker und Astrophysiker Guiseppe Colombo, der maßgeblich an der Planung der ersten Merkur-Mission Mariner 10 beteiligt war, bei der erstmals ein sogenanntes Flyby-Manöver zum Einsatz kam, allerdings bei der Venus.

Der knappe Vorbeiflug an der Erde ist der erste von insgesamt neun Flybys, die BepiColombo auf der siebenjährigen Reise zum Merkur absolvieren wird, allerdings der einzige, der die Raumsonde an der Erde vorbeiführt. Es ist also das letzte Mal, dass die Sonde ihren Heimatplaneten sehen wird. BepiColombo wird beim Earth-Flyby abgebremst und die Flugbahn der Raumsonde wird in Richtung Sonne abgelenkt. Kontrolliert wird dieses Manöver vom European Space Operations Centre im deutschen Darmstadt. Aufgrund der Covid-19-Pandemie mussten einige europäische Raumfahrtmissionen vorübergehend in einen Ruhezustand versetzt werden. BepiColombo war von solchen Maßnahmen nicht betroffen. Ein Earth-Flyby lässt sich nicht verschieben oder absagen.

Österreich mit Messgeräten an Bord

Seit Herbst 2019 planen die wissenschaftlich-technischen Teams den Betrieb ihrer Geräte. Mittlerweile ist der Ablauf im Detail festgeschrieben und ein Eingriff nur mehr sehr eingeschränkt möglich. Trotzdem gilt zumindest für einige Teams Rufbereitschaft für den Fall, dass unerwartet Probleme auftreten. Das Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist an den Magnetfeldmessgeräten auf beiden Raumsonden – MMO (Magnetosphärischer Orbiter) und MPO (Planetarer Orbiter) – beteiligt.

„Beide Magnetometer sind ab 9. April, 20 Uhr MESZ, für über 30 Stunden durchgehend eingeschaltet. Vor allem vom MPO-Magnetometer, dessen Sensor am bereits ausgeklappten Boom sitzt, werden interessante Ergebnisse erwartet“, erläutert Wolfgang Baumjohann, Direktor des ÖAW-Instituts. Etwas komplizierter stellt sich die Situation beim Ionenspektrometer PICAM dar. „Aus Sicherheitsgründen darf der Sensor im Strahlungsgürtel der Erde nicht betrieben werden. Ebenso muss PICAM während bestimmter Satellitenmanöver ausgeschaltet sein“, betont ÖAW-Forscher Gunter Laky, Mitglied im Grazer PICAM-Team. Dementsprechend wird PICAM ab 9. April, 23:30 Uhr MESZ, ca. 24 Stunden lang in Intervallen betrieben. Während der Betriebszeiten werden verschiedene Messprogramme gestartet. Die gewonnenen Daten dienen mehrheitlich der Kalibrierung des Sensors.

 

AUF EINEN BLICK

Die Beteiligung der ÖAW an BepiColombo wurde von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) finanziert. Neueste Informationen zu BepiColombo sind auf der Website der European Space Agency ESA zu finden.