17.09.2015

Apokalypse im Mittelalter

Vorstellungen von Ende und Erlösung in Christentum, Islam und Buddhismus stehen im Mittelpunkt einer internationalen und interdisziplinären Konferenz in Wien.

Die Apokalypse auf dem Hauptportal der Kathedrale von Saint-Denis. Bild: Wikimedia/CC

Der Glaube an die „Letzten Dinge“, an göttliches Gericht, Auferstehung, ewiges Leben und an einen finalen Kampf zwischen Gut und Böse nimmt in den Weltreligionen Christentum, Islam und Buddhismus eine zentrale Rolle ein. Die Konferenz „Making Ends Meet. Cross-Cultural Perspectives on the End of Times in Medieval Christianity, Islam and Buddhism“ untersucht diese Vorstellungen in unterschiedlichen Gemeinschaften und Kulturen des Mittelalters. Von 24. bis 26. September 2015 diskutieren Wissenschaftler/innen aus Geschichtswissenschaft, Sozialanthropologie und Theologie bis hin zu Tibetologie und Islamwissenschaft Endzeit- und Untergangsvorstellungen, wobei auch die Antike und die moderne Welt einbezogen werden. Der interdisziplinäre Blick richtet sich dabei vor allem auf die Regionen Arabien, Indien, Tibet, China und Europa.
Gemeinschaft im Schatten der Endzeit

Eschatologie, der Glaube, dass alle irdischen Dinge zu einem Ende kommen und dass auf das Jüngste Gericht eine neue göttliche Ordnung folgt, ist ein zentrales Element in der christlichen und islamischen Theologie. Die indischen und tibetischen Religionen beschäftigen sich ebenfalls intensiv mit den Auswirkungen der diesseitigen Handlungen auf das Leben im Jenseits, auch wenn sie keine linearen zeitlichen Vorstellungen vom Ende vertreten. Immer aber ging es im mittelalterlichen Verständnis um zwei Endpunkte: den Tod und die Auferstehung des Einzelnen auf der einen und das Ende der weltlichen Mächte auf der anderen Seite.
Bei der Konferenz, die von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gemeinsam mit der Universität Wien organisiert wird, kommen hochkarätige internationale Wissenschaftler/innen wie Guy Lobrichon (Avignon), James Palmer (St. Andrews), Domenico Agostini (Jerusalem), Jane Baun (Oxford) oder Stephen Shoemaker (Oregon) zusammen, um gemeinsam mit Kolleg/inn/en aus Wien diese eschatologischen Vorstellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu untersuchen. Die einzelnen Sessions befassen sich mit Themen wie „Exchanges“, „Cultures of Eschatology“, „Afterlives and Other Worlds“ oder „Empires“.
Ein zentrales Thema der Konferenz ist der interreligiöse Austausch. Diskutiert wird, wie unterschiedliche Glaubensinhalte vermittelt wurden und wie sich verschiedene Erzähltraditionen wechselseitig beeinflussten. Nachgegangen wird dabei auch dem Umgang mit Eschatologie und deren Bedeutung für die jeweilige Glaubensgemeinschaft. War der Glaube an das Ende der Welt ein im Mittelalter weit verbreitetes soziales Phänomen oder vielmehr der Ausdruck eines Diskurses, der von religiösen Eliten bestimmt wurde?
Religion und Politik waren im Mittelalter keineswegs klar voneinander getrennte Bereiche. Im Gegenteil, gerade biblische Metaphern und religiöse Werte waren für Verständnis und Legitimation politischer Herrschaft besonders wichtig. Die Konferenz untersucht daher auch den Einfluss von Untergangsvorstellungen auf den politischen Bereich. Dabei wird gefragt, wie apokalyptische Motive zur Erklärung von Fremden oder Feinden beitrugen, welche Naturphänomene und Orte apokalyptische Bedeutung erhielten oder welchen Einfluss Endzeitvorstellungen auf Überlegungen zu Dauer und Stabilität eines Weltreiches hatten.
Spezialforschungsbereich „Visions of Community“

Die Konferenz findet im Rahmen des FWF-Spezialforschungsbereichs „Visions of Community“ (VISCOM) statt, dessen zentrale Hypothese ist, dass religiös motivierte Vorstellungen prägend für die Politik im Mittelalter waren. VISCOM ist eine erfolgreiche Kooperation zwischen der ÖAW und der Universität Wien. Das interdisziplinäre Projekt, an dem fünf Institute beteiligt sind, wurde Anfang des Jahres verlängert und geht nun in die zweite Runde.
 
Internationale Konferenz „Making Ends Meet. Cross-Cultural Perspectives on the End of Times in Medieval Christianity, Islam and Buddhism“
Zeit: Donnerstag, 24. und Freitag, 25. September, 9.30 bis 18.30 Uhr
Ort: Theatersaal der ÖAW, Sonnenfelsgasse 19, 1010 Wien
Am Samstag, 26. September, findet die Konferenz im Konferenzraum des Instituts für Mittelalterforschung der ÖAW in der Wohllebengasse 12–14, 1040 Wien, von 10 bis 17.30 Uhr statt.
Keine Anmeldung erforderlich, der Eintritt ist frei.

Programm und weitere Informationen:

Wissenschaftliche Kontakte

Mag. Veronika Wieser
Universität Wien
Institut für Geschichte
Universitätsring 1, 1010 Wien
T +43-1- 515 81 - 7209
veronika.wieser(at)univie.ac.at

Dr. Vincent Eltschinger
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens
1030 Wien, Apostelgasse 23
T +43-1-515 81 - 6434
vincent.eltschinger(at)oeaw.ac.at

Rückfragehinweise

Dipl.-Soz. Sven Hartwig
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Leiter Öffentlichkeit & Kommunikation
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43-1-51581-1331
sven.hartwig(at)oeaw.ac.at


Mag. Alexandra Frey
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
Universitätsring 1, 1010 Wien
T +43-1-4277-175 33
M +43-664-60277-175 33
alexandra.frey(at)univie.ac.at

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat die gesetzliche Aufgabe, „die Wissenschaft in jeder Hinsicht zu fördern“. 1847 als Gelehrtengesellschaft gegründet, steht sie mit ihren heute über 770 Mitgliedern sowie rund 1.450 Mitarbeiter/inne/n für innovative Grundlagenforschung, interdisziplinären Wissensaustausch und die Vermittlung neuer Erkenntnisse – mit dem Ziel zum wissenschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Fortschritt beizutragen. www.oeaw.ac.at

Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 19 Fakultäten und Zentren arbeiten rund 9.700 Mitarbeiter/innen, davon 6.900 Wissenschafter/innen. Die Universität Wien ist damit die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 92.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 180 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. 1365 gegründet, feiert die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis im Jahr 2015 ihr 650-jähriges Gründungsjubiläum. www.univie.ac.at


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