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100. ERC Grant für ÖAW

Vier neue ERC Starting Grants für ÖAW-Forschende

Marjolein D. Bosch, Reinier Langelaar, André Rendeiro und Torsten Zache erhalten ERC Starting Grants: Ihre Projekte reichen von Eiszeitsiedlungen über tibetische Mythen bis hin zur Erforschung des Alterns und neu entwickelten Quanten-Algorithmen. Mit den vier neuen Förderungen erhöht sich die Anzahl der seit Beginn der Vergaben eingeworbenen ERC Grants an der ÖAW auf insgesamt 100.

04.09.2025

Gleich vier Wissenschafter:innen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) werden dieses Jahr mit einem der renommierten Forschungsförderpreise Europas ausgezeichnet: den Starting Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC). Mit der Förderung von jeweils bis zu 1,5 Millionen Euro können Dorothea Maria Bosch, Torsten Zache und André Rendeiro sowie Reinier Langelaar ihre ambitionierten Projekte in den Bereichen Geisteswissenschaften, Archäologie, Quantenphysik und Zellbiologie vorantreiben.

Tibetische Mythen als kulturelles Fundament

Zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert entstand auf dem Tibetischen Hochland ein literarisches Fundament, das Kultur, Religion und Politik bis heute prägt. Reinier Langelaar vom Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens der ÖAW – der unter allen Preisträger:innen des ERC Starting Grant 2025 der jüngste Principal Investigator ist – rekonstruiert in seinem Forschungsprojekt die Entstehung eines solchen „nationalen Gründungsmythos“. Mit bislang unbekannten Manuskripten beleuchtet er, wie zentrale Texte die Beziehungen zwischen Religion, politischer Herrschaft und kollektiver Identität in Tibet formten – und welchen Einfluss benachbarte buddhistische Regionen auf diese hatten.

Wie Klimaextreme das Leben der Eiszeit prägten

Extreme Klimaschwankungen stellten eiszeitliche Jäger- und Sammlergruppen vor große Herausforderungen. Marjolein D. Bosch vom Österreichischen Archäologischen Institut der ÖAW – eine der ersten Seal of Excellence-Awardees an der Akademie – untersucht, wie Menschen in Mitteleuropa auf diese Umweltbedingungen reagierten. Ausgangspunkt sind die Fundplätze Grub-Kranawetberg I und II, die außergewöhnlich gut erhaltene Überreste aus der Zeit vor und während des Letzten Glazialen Maximums bewahren. Mit modernsten Methoden – von Isotopenanalysen bis zu DNA – rekonstruiert Bosch, welche Ressourcen genutzt und welche Strategien entwickelt wurden, um in einem extremen Klima zu überleben.

Quantencomputer für fundamentale Physik

Die Simulation komplexer physikalischer Systeme ist eine der größten Herausforderungen der modernen Forschung. Der theoretische Physiker Torsten Zache entwickelt am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation Innsbruck der ÖAW neue Ansätze, um sogenannte Gittereichtheorien mithilfe von Quantencomputern zu erforschen. Sein Ziel: Die Dynamik von Systemen, die Phänomene wie das sogenannte Quark-Confinement zeigen, zu berechnen – was bislang mit klassischen Computern nur begrenzt möglich ist. Die dabei entwickelten Quanten-Algorithmen könnten nicht nur unser Verständnis fundamentaler Kräfte vertiefen, sondern auch neue Anwendungen in Quantenchemie und Materialforschung ermöglichen.

Wie Gewebealterung Krankheiten beeinflusst

Alterung ist ein komplexer biologischer Prozess, der von Molekülen und Zellen bis hin zu Organen sichtbar wird. Gerade bei altersbedingten Erkrankungen bleibt oft unklar, wie kleinste Veränderungen auf zellulärer Ebene zu Funktionsverlusten in Geweben führen. Um diese Lücke zu schließen, verbindet André Rendeiro vom CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der ÖAW großflächige Gewebeabbildungen mit modernen computergestützten Analysen. So lassen sich Muster und Abweichungen erkennen, die im Laufe des Alterns auftreten, sowie Signale identifizieren, die dem Ausbruch von Krankheiten vorausgehen. Das Projekt ermöglicht ein neues Verständnis, das Alterung als Zusammenspiel der Gewebearchitektur begreift.

Über den ERC Starting Grant

Die ERC Starting Grants werden jährlich vom Europäischen Forschungsrat vergeben und unterstützen herausragende Wissenschafter:innen dabei, ihre eigene Forschungsgruppe aufzubauen. Mit den vier neuen Grants steigt die Zahl der seit 2007 an ÖAW-Forscher:innen vergebenen ERC-Preise auf insgesamt 92 Grants, ergänzt durch 8 Proof of Concept Grants.  Darüber hinaus war die ÖAW an weiteren 19 ERC Grants beteiligt. Damit zählt die ÖAW zu den erfolgreichsten österreichischen Forschungseinrichtungen bei der Einwerbung dieser prestigeträchtigen europäischen Forschungspreise.

Pressebilder

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Kontakt

Astrid Pircher | Wissenschaftskommunikation
Österreichisches Archäologisches Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
T +43 1 51581-4060
astrid.pircher(at)oeaw.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt

Marjolein D. Bosch
Österreichisches Archäologisches Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
T: +43 1 51581-6133
DorotheaMaria.Bosch(at)oeaw.ac.at