

Vortrag von Pamela Fragnoli
Der Tell von Arslantepe-Malatya im Gebiet des oberen Euphrat ist eine Schlüsselsiedlung zum Verständnis bedeutender Phänomene wie der Entstehung der ersten komplexen Gesellschaften im Nahen und Mittleren Osten. Forschungen der Universität Rom La Sapienza brachten außergewöhnlich monumentale Anlagen des Spätchalkolithikums bis zur byzantinischen Zeit ans Licht. Wirtschaftliche, kulturelle und politische Veränderungen während dieser sehr langen Besiedlungsdauer können auch anhand der in Arslantepe dokumentierten keramischen Produktion nachgezeichnet werden.
Während des Spätchalkolithikums (Arslantepe VII–VIA, 3800–3000 v. Chr.), parallel zur Entstehung einer zentralisierten Wirtschaft des mesopotamischen Typs, entwickelte sich eine Massenproduktion scheibengedrehter Keramik. Nach der Niederlassung nomadischer Gruppen ab der FBZI (Arslantepe VIB1, 3000–2900 v. Chr.) verbreitete sich eine handgemachte rot-schwarze Keramik – die sogenannte Red-Black Burnished Ware (RBBW) –, die mit der ostanatolischen/transkaukasischen Tradition von Kura-Arax eng verbunden war. Während der FBZ II (VIC, 2750–2500 v. Chr.), als eine Befestigung wegen verstärkter externer Konflikte errichtet wurde, wurde die Drehscheibenkeramik durch ein handgemachtes bemaltes Repertoire ersetzt. Am Ende der FBZ (Arslantepe VID, 2500–2000 v. Chr.), mit der Entwicklung der Zitadellen, nahm diese bemalte Produktion stark homogene Züge und einen hohen Standardisierungsgrad im ganzen oberen Euphratgebiet an, während die RBBW die Eigenschaften einer lokalen und häuslichen Produktion behielt. Ab der MBZ (VA, 2000–1750 v. Chr.) verschwand die RBBW, die bemalte Keramik aber lief weiter und es erschienen neue Klassen, die sowohl handgemacht als auch scheibengedreht waren. Diese Letzteren sind rot geschlämmt oder mit roten Streifen bemalt und haben Parallelen in Zentralanatolien und Nordsyrien
130 Dünnschliffe und chemische Analysen, die Alberto Palmieri nach seinem frühen Tod hinterließ, wurden systematisch auf Änderungen oder Kontinuitäten in der Produktionsorganisation vom Spätchalkolithikum bis zur Mittelbronzezeit hin betrachtet. Anhand
der Einteilung der Proben in 20 verschiedenen archäometrischen Bezugsgruppen sind deutliche Unterschiede in Bezug auf die Rohstoffersorgung und die Tonmassenvorbereitung festzustellen, die die funktionelle, typologische, technologische, kulturelle und chronologische Variabilität von Arslantepe während zweier Jahrtausende widerspiegeln.
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