



Der Salzburger Maler Hubert Sattler (1817–1904) bereiste im Jahre 1842 Palästina („Das Heilige Land“) sowie Teile Syriens und Alexandria, in den Jahren 1844-45 Ägypten und Nubien bis zum 2. Katarakt. Damit kann der junge Künstler, der sich am Beginn seiner Laufbahn voll Enthusiasmus und mit hohem künstlerischen Anspruch mit dem Orient auseinandersetzte, zu den Pionieren der Orientmalerei in Österreich gezählt werden. Er war der erste österreichische Künstler, der Ägypten selbständig und unabhängig bereiste, zudem nach derzeitigem Wissensstand der erste österreichische Künstler überhaupt, der die nubischen Denkmäler zeichnete.
Während seiner Reisen fertigte Sattler eine große Zahl an Skizzen und Zeichnungen vor Ort an, welche er durch Kopien aus damals in Österreich nicht erhältlichen Büchern ergänzte. Im Salzburger Atelier diente dieses Skizzenmaterial nach der Rückkehr zur Herstellung großformatiger Ölgemälde. Ein umfangreiches Konvolut derartiger Skizzen und Zeichnungen wird, weitgehend unbearbeitet, im Salzburg Museum aufbewahrt.
Sattler unternahm die Reise nach Oberägypten und Nubien in Begleitung des finnischen Arabisten Georg Wallin, der ein ausführliches Tagebuch mit Aufzeichnungen und Beobachtungen der gemeinsamen Reise hinterließ. Lange Zeit gänzlich unbeachtet, wurden diese Aufzeichnungen vor kurzem durch Patricia Berg in einer kritischen Edition herausgegeben. Somit liegen sich ergänzende Text- und Bilddokumente zu Ägypten und Nubien zur Zeit der Herrschaft von Mohammed Ali Pascha vor.
Die Begegnung mit der Expedition von Richard Lepsius in Luxor weckte in Sattler ein lebhaftes Interesse an der Hieroglyphenschrift. Lange Zeit bevor in Österreich eine akademische Befassung mit den Hieroglyphen möglich wurde, war der Künstler Hubert Sattler neben dem Diplomaten Anton Prokesch-Osten wohl der erste Österreicher, der sich ein gewisses Verständnis dieses bildbasierten Schriftsystems aneignete.
Die Bilder Hubert Sattlers fanden kaum Eingang in öffentliche Sammlungen, was dazu führte, dass sie, wenig bekannt und geschätzt, wissenschaftlich kaum bearbeitet wurden. Erst in den letzten Jahren wurde das Interesse an Hubert Sattlers Bildern durch eine Reihe von Ausstellungen im „Panorama-Museum“ in Salzburg neu geweckt. In der „Orient und Okzident“ Ausstellung des Belvedere (2012) wurde erstmals Bilder Sattlers im Rahmen eines staatlichen Museums in Wien gezeigt, im Sommer 2013 folgte schließlich eine große Personalausstellung in der Hermesvilla in Wien.
Eine gründliche Bearbeitung der Orientbilder, Skizzen und Zeichnungen Hubert Sattlers könnte einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Wahrnehmung Ägyptens, Nubiens und des syrischen Raumes über die rein kunstgeschichtlichen Aspekte der Orientmalerei hinaus liefern.
OREA, Seminarraum Abteilung Ägypten & Levante
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