Die Erforschung der Tellsiedlung in Gălăbnik im oberen Strumatal mit ihren zehn Bauhorizonten der Protostarčevo- und Starčevo-Kultur lieferte wesentliche Erkenntnisse über das Neolithikum im Balkanraum. Die Grabungsergebnisse in Pernik, Krajnici, Sapareva Banja, Vaksevo, Balgarčevo, Rakitovo und Kovačevo ergänzen das in Gălăbnik gewonnene Bild und ermöglichen eine neue Interpretation der kulturgenetischen und chronologischen Beziehungen der frühneolithischen Kultureinheiten in SO-Europa und Anatolien.
Die unteren sechs Bauhorizonte in Gălăbnik gehören der neu erkannten Gălăbnik-Gruppe an, die zusammen mit der Nevestino-Gruppe im Strumatal, der Slatina-Gruppe in der Sofioter Ebene und der Anzabegovo-Vršnik I-Gruppe im Vardartal zur Protostarčevo-Kultur zusammengefasst werden kann. Die Gruppen der Protostarčevo-Kultur bildeten die Basis zum Entstehen der Starčevo-Kultur. Am nördlichen Balkan und entlang der Donau stellt Protostarčevo nach Dragoslav Srejović eine inhaltlich und chronologisch andere Kultureinheit dar und ist als Frühstufe der dortigen Starčevo-Criş-Kultur zu verstehen. Die weinrot bemalte Keramik markiert die Entstehung und Verbreitung der frühen Starčevo-Kultur, deren Grenze weit gegen Süden verlegt werden muss. Älter als die Protostarčevo-Kultur ist die Kultureinheit mit der monochromen Keramik vom Typus Krajnici, welche mit Hoca Çe&sedil;me IV zu synchronisieren ist. Dies ermöglicht weit reichende Untersuchungen zu den chronologischen und kulturgenetischen Beziehungen mit Anatolien – inklusive der Verbreitung der neolithischen Lebensweise auf dem Balkan.
Postgasse 7/1/10, Seminarraum

