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Presseaussendung

Grünes Licht für ARRAKIHS

ESA bestätigt die zweite F(ast)-Mission, verlängert ihre ersten S(mall)- bzw. L(arge)-Missionen CHEOPS und BepiColombo und schlägt Plasma Observatory als siebente M(edium)-Mission vor – alle mit Beteiligung des Grazer Weltrauminstituts

11.06.2026
A blue-white, circular spiral galaxy is shown on a colourful starry background. Two faint, cloud-like arcs extend from the galaxy's central disc: one U-shaped loop sticks out to the lower left, and a larger hook-shaped arc extends up and to the left. A diffusely glowing oval-shaped dwarf galaxy lies to the left of the larger galaxy.
Simuliertes ARRAKIHS-Bild eines Galaxien-Halos. © Alex Camazón (IEEC) / ARRAKIHS Mission Consortium

Der Wissenschaftsprogrammausschuss der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) hat gestern die Mission ARRAKIHS verabschiedet, die die lichtschwachen und damit unerforschten Strukturen des Universums näher untersuchen soll. Das Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist federführend am Bau von Komponenten für die wissenschaftliche Nutzlast der Mission beteiligt. Der Start ist für 2030 geplant.

Startschuss für den Bau

Die sogenannte "mission adoption" bedeutet, dass die Studienphase abgeschlossen ist, sich die Mission als durchführbar erwiesen hat und die ESA sich zu ihrer Umsetzung verpflichtet. In der bevorstehenden Entwicklungsphase werden der Satellit und Module des wissenschaftlichen Instruments gebaut, integriert, ausgiebig getestet und so für den Weltraumeinsatz qualifiziert.

ARRAKIHS ist die zweite "schnelle" oder F(ast)-class-Mission des Cosmic-Vision-Programms der ESA, für die von der Auswahl im November 2022 bis zum Start weniger als zehn Jahre benötigt werden sollen. Die Entscheidung zur Annahme der Mission wurde am 10. Juni 2026 auf der SPC-Sitzung am Instituto Astrofísico de Canarias auf Teneriffa getroffen.

Der Geschichte der Galaxien auf der Spur

Der Name der Mission steht für "Analysis of Resolved Remnants of Accreted galaxies as a Key Instrument for Halo Surveys". Für Carole Mundell, Wissenschaftsdirektorin der ESA, ist ARRAKIHS eine "bahnbrechende und einzigartige Mission zur galaktischen Archäologie."

Bei Galaxien denkt man an eine leuchtende, spiralförmige Scheibe aus Sternen, Gas und Staub. Jede Galaxie umgibt jedoch ein viel größerer, kugelförmiger Bereich, der als "Galaxien-Halo" bezeichnet wird und größtenteils aus unsichtbarer dunkler Materie besteht, die als gravitativer Klebstoff der Galaxie fungiert. Dieser Halo enthält deutliche Spuren von der Entstehungsgeschichte der Galaxie. ARRAKIHS soll das schwache Licht aus den Halos naher Galaxien einfangen und so neue Details darüber liefern, wie sich Galaxien  bilden und weiter entwickeln.

Grazer Technik an Bord von ARRAKIHS

Die Mission muss extrem lichtschwache Objekte aufspüren. Zu diesem Zweck wird ARRAKIHS ein wissenschaftliches Instrument an Bord haben, das aus zwei Paaren von „Binokular-Teleskopen“ besteht, also insgesamt vier Kameras. Jede Kamera liefert hochpräzise Photometrie desselben relativ großen (1°) Teils des Himmels und ist auf einen anderen Wellenlängenbereich spezialisiert, der vom nahen Ultraviolett über das sichtbare Spektrum bis ins nahe Infrarot reicht. 


Das IWF Graz ist federführend beim Bau der EBOX, dem wichtigsten elektronischen Teilsystem, das die wissenschaftlichen Beobachtungen der vier bildgebenden Sensoren sammelt, mit der Raumsonde kommuniziert und die Teleskope auf ihrer optimalen Temperatur hält. Das Institut liefert die Common Data Processing Unit (CDPU) und das Gehäuse der EBOX. Das IWF ist für die Integration der anderen Einheiten in der EBOX (z. B. die von den Konsortialpartnern bereitgestellte Stromversorgungseinheit) und für die Durchführung der erforderlichen Umwelttests (z. B. Vibration, Thermal-Vakuum usw.) zuständig.
 

"Mit dem Bau der EBOX können wir die langjährige Tradition unserer Forschungsgruppe in der Raumfahrttechnik festigen", betont Giono.

Die Beauftragung durch die ESA stellt für das IWF eine große Chance dar. "Mit dem Bau der EBOX können wir die langjährige Tradition unserer Forschungsgruppe in der Raumfahrttechnik festigen und weiterhin modernste Raumfahrtelektronik entwickeln“, betont IWF-Gruppenleiter Gabriel Giono. "Wir können unsere Nachwuchsingenieur:innen auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten und kreative Wege erkunden, wie wir die Möglichkeiten der Mission nutzen können, um die Forschungsziele unseres Instituts zu unterstützen", setzt er fort.

Neben dem IWF ist in Österreich auch die Universität Wien an ARRAKIHS beteiligt, die die Anwendungssoftware für den Betrieb des Instruments beisteuert.

Internationale Zusammenarbeit

ARRAKIHS entsteht in Zusammenarbeit zwischen der ESA und dem ARRAKIHS Mission Consortium. Das Konsortium wird vom Instituto de Física de Cantabria, Spanien, geleitet und umfasst mehr als 250 Wissenschaftler:innen und Ingenieur:innen aus sechs weiteren ESA-Mitgliedstaaten: Belgien, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden und die Schweiz. Großbritannien, Frankreich, Dänemark, die Niederlande, USA, Taiwan und Thailand liefern ebenfalls Beiträge.

Why Space Research Matters – ARRAKIHS

"ARRAKIHS kann das Vermächtnis von CHEOPS über die 2030er Jahre hinaus  erweitern", so Helling.

Die Wissenschaft geht davon aus, dass Galaxien im Laufe der Zeit durch Verschmelzungen mit anderen wachsen. Da Galaxien-Halos so schwach leuchten, konnten bisher noch nicht genügend von ihnen untersucht werden, um sicher zu sein, dass die Modelle zur Galaxienentstehung – und damit auch die Rolle der Dunklen Materie – korrekt sind. "In Anbetracht der hochpräzisen photometrischen Fähigkeiten kann ARRAKIHS auch dazu verwendet werden, Transitbeobachtungen von bereits bekannten Exoplaneten zu sammeln, ähnlich wie es derzeit mit CHEOPS geschieht, und so das Vermächtnis von CHEOPS über die 2030er Jahre hinaus zu erweitern", freut sich IWF-Direktorin Christiane Helling.

ARRAKIHS wird ein neues Beobachtungsfenster mit Blick auf das weitgehend unerforschte Universum öffnen. Indem ARRAKIHS das Unsichtbare sichtbar macht, wird die Mission die Geschichte des Universums ergründen und aufzeigen, wie sich Galaxien, wie zum Beispiel unsere Milchstraße, bilden und entwickeln und damit eine der wichtigsten offenen Fragen der modernen Astrophysik zu beantworten versuchen.

Die SPC-Sitzung, die vom 10. bis 11. Juni 2026 auf Teneriffa stattfand, hat erfreuliche Nachrichten für drei weitere Missionen mit IWF-Beteiligung geliefert. "Die Verlängerung von 13 Missionen wurde befürwortet, darunter auch BepiColombo und CHEOPS", informiert Helling. Bereits 2023 wurde die Auswahlliste für die nächste Mission der mittleren Klasse auf drei Finalisten eingegrenzt. Seitdem wurde alle drei Projekte sorgfältig hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Bedeutung, ihrer technischen Machbarkeit und ihrer Kompatibilität mit anderen Missionen geprüft. Auf der Grundlage dieser Bewertung wurde dem SPC nun vorgeschlagen, Plasma Observatory auszuwählen. Die formelle Entscheidung wird bei der nächsten Sitzung im November 2026 getroffen.


Weitere Informationen findet man auf der Webseite des ARRAKIHS Mission Consortium und bei der ESA.
 

Rückfragen

Dr. Gabriel Giono
T +43 (0)316 4120 - 531
Gabriel.Giono(at)oeaw.ac.at