03.06.2024

Sabine Ladstätter (1968–2024)

In tiefer Trauer müssen wir den Tod von Priv. Doz. Mag. Dr. Sabine Ladstätter bekannt geben. Nach schwerer, mit großer Würde ertragener Krankheit ist unsere liebe Kollegin, Freundin und ehemalige geschäftsführende Direktorin am 3. Juni im Kreise ihrer Liebsten von uns gegangen.

Sabine Ladstätter wurde am 22. November 1968 in Klagenfurt/Kärnten geboren. An den Universitäten Graz und Wien studierte sie Klassische Archäologie und Alte Geschichte und promovierte summa cum laude 1997 bei Franz Glaser und Friedrich Krinzinger über »Von Mediterraneum zur provincia Slaborum«. Mit der Habilitationsschrift »Studien zur ephesischen Keramik von späthellenistischer bis spätantiker Zeit« erhielt sie 2007 die Venia docendi an der Universität Wien.

Als wissenschaftliche Mitarbeiterin und alsbald stellvertretende Direktorin des Instituts für Kulturgeschichte der Antike der Österreichischen Akademie der Wissenschaften begann ab 1995 ihr wissenschaftliches Interesse an, aber vor allem ihre große Liebe zu Ephesos, der antiken Metropolis Asiae, die ihr gesamtes Leben prägen sollte. Im Jahr 2009 wurde Sabine Ladstätter in der Nachfolge Johannes Koder zur Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) ernannt. Ein Jahr später wurde ihr die Grabungsleitung in Ephesos anvertraut. Dabei gelang es ihr nicht nur, die Grabung Ephesos als internationale Forschungsplattform weiter zu etablieren, vor allem wuchs dank ihrer von Respekt und Herzlichkeit geprägten Beziehung zu dem Gastland auch das Ansehen der österreichischen Forschungen in der Türkei. Ihren persönlichen Interessen folgend, beschäftigte sie sich mit zentralen Fragen zur spätantik-byzantinischen Stadt, wodurch sie unser Verständnis dieser Epoche maßgeblich erweiterte. Neben ihren forschenden und vor allem leitenden Tätigkeiten in Ephesos blieb sie jedoch zeitlebens dem Kärntner Hemmaberg verbunden, der nicht nur Ursprung ihres Berufswunsches war, sondern dessen Erforschung ihr eine Herzensangelegenheit war.

Mit der Transformation des Österreichischen Archäologischen Instituts an die Österreichische Akademie der Wissenschaften und der Zusammenlegung aller dort beheimateten archäologischen und altertumswissenschaftlichen Institute wurde Sabine Ladstätter mit Beginn 2021 zur geschäftsführenden Direktorin des ›neuen ÖAI‹ ernannt. Die Übersiedlung des Instituts an seinen neuen Standort 2023 plante und verfolgte sie, solange ihre Gesundheit es erlaubte, mit unermüdlichem Einsatz. Von ihren auf die Zukunft ausgerichteten Überlegungen zeugt hier nun eine moderne Laborlandschaft, welche die Bedeutung, die sie der naturwissenschaftlichen Expertise schon früh beimaß, dokumentiert.

Trotz aller Belastungen, die ihre vielen Managementaufgaben mit sich brachten, hatten Lehre und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses für sie Priorität. Sei es als Gastprofessorin an der Stanford University (2019), an der Ecole normale supérieure de Paris (2016), als Betreuerin akademischer Abschlussarbeiten oder auch ›nur‹ als Vortragende an Schulen oder in Gemeindesälen in ganz Österreich und darüber hinaus – kein Weg war ihr zu weit, kein Termin zu ungünstig, um ihre Begeisterung für die Archäologie im Allgemeinen und Ephesos im Besonderen vermitteln zu wollen.

Ihre zahlreichen Auszeichnungen und Ernennungen, deren letzte – die Aufnahme in den Kreis der wirklichen Mitglieder der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sie mit besonderem Stolz erfüllte – belegen eindrucksvoll, dass wir eine auch international hoch geschätzte und herausragende Wissenschaftlerin verlieren. Aber vor allem verlieren wir eine liebe Kollegin und gute Freundin.

Unsere innige Anteilnahme gilt ihrer Familie, unsere Gedanken sind bei Sabine und bei ihrer über alles geliebten Tochter Hemma.

Wir werden Sabine Ladstätter nicht vergessen, und das Österreichische Archäologische Institut wird ihr Andenken stets in höchsten Ehren halten.