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Presseaussendung

Meilenstein für ESA-Mission Comet Interceptor

Grazer Magnetometer als erstes wissenschaftliches Instrument abgeliefert

29.05.2026
Künstlerische Darstellung der Mission Comet Interceptor. © ESA

Comet Interceptor wird die erste Mission sein, die einen Kometen besucht, der direkt aus den äußeren Bereichen des Sonnensystems kommt und Material mit sich führt, das seit den Anfängen des Sonnensystems unberührt geblieben ist. Mit der Abgabe der ersten wissenschaftlichen Flughardware an den Satellitenbauer Sener wurde nun - rund zweieinhalb Jahre vor dem Start - ein wichtiger Meilenstein erreicht. Teil des abgegebenen Instrumentenpakets ist das Magnetometer, das vom Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) unter der Leitung von Imperial College London gebaut wurde.

Drei Raumsonden – eine Mission

Comet Interceptor ist eine Multi-Satelliten-Mission, die insgesamt 10 wissenschaftliche Instrumente an Bord hat. Für den Hauptsatelliten A und die Sonde B2 zeichnet die Europäische Weltraumorganisation ESA verantwortlich, während B1 von der Japanischen Raumfahrtbehörde JAXA gebaut wird.

 

Nach dem Start wird das Raumschiff bis zu zwei Jahre am Lagrange-Punkt L2 "parken", bevor es sich auf den Weg macht, um einen geeigneten, unberührten Kometen abzufangen. Wenn sich der Komet in der Nähe befindet, wird der Hauptsatellit A seine zwei Sonden B1 und B2 aussenden, um den Kometen gleichzeitig aus mehreren Richtungen zu beobachten und Mehrpunktmessungen durchzuführen.

Dies ermöglicht die beispiellose Erforschung eines völlig unberührten Objekts, das noch ursprüngliches, unverändertes Material aus der allerfrühesten Entstehungsphase des Sonnensystems in sich bewahrt. Durch diesen innovativen Ansatz wird ein dreidimensionales Profil der Umgebung des Kometen erstellt, das neue Einblicke in seine Wechselwirkung mit dem Sonnenwind und seine physikalischen und chemischen Eigenschaften liefert.

Österreichische Technik an Bord

Das "Dust, Fields and Plasma"-Paket (DFP), das vom Space Research Centre der Polnischen Akademie der Wissenschaften (CBK PAN) geleitet wird, untersucht den Kometenstaub sowie die magnetischen und elektrischen Felder in der Kometenumgebung. Durch den gleichzeitigen Einsatz sowohl auf dem Hauptraumfahrzeug A als auch auf der Sonde B2 sind Mehrpunkt-Messungen von Parametern wie Plasmadichte, -temperatur und -geschwindigkeit sowie der Energieverteilung von Elektronen, Ionen und Neutralteilchen möglich.

Abgabe der ersten Flughardware

"Das Grazer Magnetometer ist eines der Key-Instrumente von Comet Interceptor", sagt Martin Volwerk.

Mit der Auslieferung der ersten Flughardware wurde ein bedeutender Meilenstein der Mission erreicht. Als erstes Instrumentenpaket wurde DFP-B2 an den spanischen Hauptauftragnehmer Sener übergeben, der für den Bau der Sonde B2 zuständig ist. Am 14. Mai 2026 konnten die nach dem Transport notwendigen Tests erfolgreich abgeschlossen werden.

"Unser Messgerät kommt dem Kometenkern von allen Instrumenten am nächsten", ergänzt Valavanoglou.

Das IWF Graz hat unter der Leitung von Imperial College London das Magnetometer gebaut, das ein zentrales Element von DFP-B2 darstellt. Die Flugsensoren wurden von der TU Braunschweig beigesteuert. "Das in Österreich entwickelte und gebaute Magnetometer ist eines der Key-Instrumente von Comet Interceptor", sagt IWF-Forscher Martin Volwerk, nationaler Co-PI. "Es kann in Kombination mit den anderen Instrumenten die komplexe dreidimensionale Struktur der Kometenkoma rekonstruieren, die Prozesse auf der Kometenoberfläche beschreiben und die Interaktion mit dem Sonnenwind analysieren." B2 wird in einem Abstand von rund 400 km am Kometen vorbeifliegen. "Damit kommt unser Instrument seinem Kern am nächsten", ergänzt IWF-Projektleiter Aris Valavanoglou, der die Magnetometer-Hardware entwickelt hat.

Im Conrad Observatorium der Geosphere Austria wurden die Magnetometer für A und B2 kalibriert und die hochpräzisen zeitlichen Synchronisationstests der Instrumente durchgeführt, die für die Multi-Punkt-Erfassung notwendig sind.

Der Start von Comet Interceptor ist derzeit für Ende 2028 oder Anfang 2029 mit einer Ariane-Trägerrakete von Kourou, Französisch-Guayana, aus geplant. Neben dem Magnetometer steuerte das IWF die Prozessoreinheit und Software für das Massenspektrometer MANiaC auf dem Hauptsatelliten A bei.

Why Space Research Matters – Comet Interceptor

Comet Interceptor ist die erste sogenannte F-class-Mission der ESA. F steht für „fast“ und bezieht sich auf die Implementierungszeit, die von der Auswahl bis zum Start der Mission neun Jahre beträgt. In dieser verhältnismäßig kurzen Zeitspanne wurden nun drei Raumsonden mit einer einzigartigen wissenschaftlichen Nutzlast entwickelt, die grundlegende Fragen zum Ursprung und zur Entwicklung von Kometen sowie zu den Bedingungen während der Entstehung des Sonnensystems beantworten.

Kometen sind eine Art Zeitkapsel. Ihre Kerne enthalten gefrorene Moleküle, die aus der Entstehungszeit des Sonnensystems stammen oder – im Falle interstellarer Objekte – aus anderen Planetensystemen. Die Möglichkeit, ein solches Objekt zu untersuchen, bietet eine einmalige Gelegenheit, die Bedingungen zu verstehen, die während der Entstehung von Planeten und Planetensystemen herrschten.