Das Projekt „Ageing in Place“ untersucht das Zusammenspiel von Alter(n), Einpersonenhaushalten und sozialräumlichen sowie sozioökonomischen Ungleichheiten in Wien. Die Stadt erlebt derzeit einen dynamischen demographischen Wandel: Wien ist seit 2023 wieder zu einer Metropole mit über 2 Millionen Menschen angewachsen. Dieses Wachstum ging mit einer Verjüngung der Bevölkerung einher, während alle anderen Bundesländer gealtert sind. Trotzdem stieg die Zahl der Personen über 75 Jahren absolut und relativ an und wird aufgrund der Lebenserwartung weiter steigen. Der Anteil der über 60-Jährigen liegt derzeit bei rund 22,4 % der Wiener Bevölkerung und wird laut Bevölkerungsprognosen bis 2048 auf etwa 28–30 % anwachsen. Besonders dynamisch entwickelt sich die Gruppe der Hochaltrigen (ab 80), die sich in den nächsten 30 Jahren laut Prognosen mehr als verdoppeln wird.
Diese parallele Entwicklung, Wachstum und Verjüngung sowie gleichzeitiger Anstieg der Personengruppe der Hochaltrigen, stellt die Stadt vor komplexe Herausforderungen. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Haushaltsstruktur bzw. der Trend zu Einpersonenhaushalten: Bereits 2025 waren rund 46% aller Haushalte in Wien Einpersonenhaushalte, bis 2080 wird erwartet, dass 52% der Wiener:innen alleine leben.
Ein Drittel der Alleinlebenden ist über 65 Jahre alt und bei Frauen über 75 Jahren leben sogar über 60% alleine. Ageing in place, also das Altwerden in den eigenen vier Wänden, ist die bevorzugte Lebensform vieler älterer Menschen. Gleichzeitig erhöht dies aber das Risiko von sozialer Isolation und Einsamkeit, insbesondere dann, wenn gesundheitliche Einschränkungen, fehlende soziale und familiäre Netzwerke oder geringe Mobilität hinzukommen.
Vor dem Hintergrund der wachsenden Zahl der Einpersonenhaushalte von älteren und hochaltrigen Personen, gewinnt der unmittelbare Sozialraum, das Grätzl, zunehmend an Bedeutung. Lokale Infrastrukturen, Nahversorgung, barrierefreie öffentliche Räume sowie soziale Netzwerke im Wohnumfeld können entscheidend dazu beitragen, soziale Teilhabe zu ermöglichen und Isolation zu verhindern. Das Forschungsdesign basiert auf einem Mixed-Methods-Ansatz mit zwei kontrastierenden Fallstudiengebieten: einem wohlhabenderen, stärker alternden Bezirk (Döbling) und einem sozioökonomisch heterogeneren, tendenziell jüngeren Bezirk (Rudolfsheim-Fünfhaus). Dieser Vergleich ermöglicht es, die Verschränkung von Alter(n) mit Faktoren wie Einkommen, Migrationsbiographie und Wohnumfeld zu analysieren.
Zielsetzung und Forschungsfrage(n)
Das Projekt zielt darauf ab, die komplexen Wechselwirkungen von Alter(n), alleine Wohnen und intersektionalen Ungleichheiten systematisch zu analysieren. So wird eine fundierte empirische Basis geschaffen, die es ermöglicht, zentrale Mechanismen sozialer und räumlicher Ungleichheiten im Kontext von Alleinleben und Altern zu verstehen und Ansatzpunkte für weiterführende Forschungsarbeiten zu entwickeln. Daraus ergeben sich folgende Forschungsfragen:
Welche spezifischen Herausforderungen bringt Altern und alleine wohnen im urbanen Kontext mit sichund welche Rolle spielen soziale, ökonomische und räumliche Ungleichheiten für die Möglichkeiten des guten Alterns im eigenen Zuhause?
01.09.2026 - 31.05.2027
MA7 - Kulturförderungen der Stadt Wien