CVA - Corpus Vasorum Antiquorum


Koordination: C. Lang-Auinger

ehrenamtlich: E. Trinkl

CVA allgemein


Das Corpus Vasorum Antiquorum (CVA) ist ein internationales Forschungsprojekt zur Erforschung und Publikation antiker Keramik. Es ist das älteste Projekt der Union Académique Internationale (UAI) und geht auf die Initiative des französischen Archäologen Edmond Pottier zurück, der 1919 vorschlug, die antike Keramik in einem Corpus gesammelt zu publizieren.

Von den ursprünglich sechs Partnern ist das Unternehmen auf 24 angewachsen. Die Vorlage der Bände liegt in der Eigenverantwortung jedes Mitgliedslandes.

Das CVA steht unter dem Patronat der Union Académique Internationale in Brüssel, den Vorsitz hat aber traditionellerweise Frankreich inne, gegenwärtig ist Juliette De La Genière die Vorsitzende. Die wissenschaftlichen Aktivitäten werden alle vier Jahre von der UAI evaluiert. Publiziert wird in den Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch. Bisher sind ca. 350 Bände erschienen. 

Ziel


Ziel des Publikationsprojektes CVA ist es, antike Gefäße in genormten Publikationen vorzulegen, die eine solide Grundlage für weitere Forschungen darstellen.

Voraussetzung dafür ist die fachgerechte Präsentation der Gefäße. 

Attisch schwarzfigurige Schulterlekythos, um 540 - 530 v. Chr., Sammlung des Instituts für Klassische Archäologie Universität Graz G 35 (Foto © Institut f. Klassische Archäologie Univ. Graz)
Attisch schwarzfigurige Pseudo-Panathenäische Preisamphora, um 525 v. Chr., KHM IV 965 (Foto © KHM)

CVA Österreich


Österreich ist 1935 dem CVA-Projekt beigetreten, gehörte aber 1938-1945 politisch bedingt Deutschland an. Der Band der Sammlung der Universität Wien, der 1942 erschienen ist, wird daher als Deutschland 5 geführt. Seit 1949 ist Österreich wieder eigenständiges Mitglied. Das CVA wurde 1951 als eigene Kommission eingesetzt und fortan an solche an der ÖAW geführt. 1994 ist die Kommission Teil der Forschungsstelle Archäologie geworden, welche im Jahr 2000 in das Institut für Kulturgeschichte der Antike umgewandelt worden ist.

2005 wurde der Österreichische CVA–Arbeitskreis gegründet, der als Plattform für den wissenschaftlichen Austausch auf nationaler und internationaler Ebene fungiert. Eine erste grundlegende Maßnahme war die Vereinbarung gemeinsamer Publikationsrichtlinien.
Zu den jährlich stattfindenden Treffen werden Gäste eingeladen, und es finden öffentliche Vorträge statt.

Im laufenden Projekt "Zyprische Eisenzeit aus dem KHM" wird das Scannen der 145 Objekte in Kooperation mit dem Computer Vision Club durch die finanzielle Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien, Wissenschafts- und Forschungsförderung und durch den Verein der Freunde des Kunsthistorischen Museums ermöglicht.

Bisher erschienen

[H. Kenner, CVA Universität Wien (Deutschland 5) (1942)]

F. Eichler, CVA Wien 1 (Österreich 1) (1951)

F. Eichler, CVA Wien 2 (Österreich 2) (1959)

F. Eichler, CVA Wien 3 (Österreich 3) (1974)

A. Bernhard-Walcher, CVA Wien 4 (Österreich 4) (1984)

E. Trinkl, CVA Wien 5 (Österreich 5) (2011)

M. Christides, S. Karl, G. Koiner, G. Schwarz, CVA Graz 1 (Österreich 6) (2014) 


Folgende Sammlungen werden gegenwärtig bearbeitet

Kunsthistorisches Museum Wien

attisch-geometrisch, attisch schwarzfigurig (S. Karl)
eisenzeitlich italisch, sardisch (E. Pochmarski)
zyprische Keramik (C. Lang-Auinger)
attisch schwarzfigurige Hydrien (E. Trinkl, Antrag in Vorbereitung)

Institut für Archäologien, Universität Innsbruck und
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
geometrisch, korinthisch, attisch schwarzfigurig, Varia (V. Gertl), FWF P 23041-G19
attisch rotfigurig (G. Nachbaur)
mykenisch (H. Ehlotzky)

Universalmuseum Joanneum, Graz

Sammlung griechischer und italischer Vasen (S. Karl, Antrag in Vorbereitung)

Dokumentation


Messanordnung beim Scannen (Foto © ÖAW)

Die Basis jedes CVA-Bandes ist eine alle Aspekte des Gefäßes umfassende Dokumentation.

Zustand: Von allen Objekten werden technische Merkmale, allfällige antike und moderne Restaurierungsmaßnahmen erfasst und vollständige Maßangaben vorgelegt; dazu zählen nach den aktuellen Anforderungen auch Gewicht und Fassungsvermögen.

Die Ikonographie der dargestellten Bilder wird detailliert beschrieben und zeichnerisch sowie photographisch dokumentiert. Sofern es möglich ist, erfolgt eine Zuschreibung zu Malerhänden oder Werkstätten.

Es erfolgen Angaben zur chronologischen Einordnung.

Neben den konventionellen Methoden wurden für die Dokumentation in CVA KHM 5 auch im Rahmen interdisziplinärer Zusammenarbeit zerstörungsfreie naturwissenschaftliche Methoden eingesetzt; diese Kooperationen werden auch bei den folgenden Bänden angewendet und weiterentwickelt. 

Visualisierung der Oinochoe KHM IV 3771

Für die berührungsfreie Aufnahme der Gefäßformen kommt ein 3D-Laser- bzw. 3D-Streifenlicht-Scanner zum Einsatz. Die digitalen 3D-Modelle geben den tatsächlichen Zustand jedes Gefäßes und seiner figürlichen und ornamentalen Dekoration wieder. Diese Methode ermöglicht einerseits eine reale und objektive Darstellung von Gefäßschnitten und eine berührungsfreie Berechnung des Fassungsvermögens; andererseits gehen die zahlreich daraus resultierenden Möglichkeiten weit über die Erfordernisse für die aktuellen CVA-Bände hinaus.

Zur Bestimmung der Farbpigmente wurden Multispektralmessungen an markanten Stellen, vor allem auf den weißgrundigen Lekythen, durchgeführt. Diese unterstützten die wissenschaftliche Dokumentation dieser Gefäße, da neuzeitliche farbliche Ergänzungen von der antiken Substanz optisch oft kaum zu unterscheiden sind und die zeitliche Herkunft eines Pigmentes erst in der Zusammensetzung ersichtlich wird.

In Kooperation mit dem Naturwissenschaftlichen Labor des Kunsthistorischen Museums wurde eine Untersuchung aus ausgesuchten Objektgruppen mittels Röngtenfluoreszenzanalyse (RFA) begonnen. Ziel ist es die verwendeten Pigmente für Vergleiche zu analysieren.

Ergänzend zu den CVA Bänden Österreich wird das Beiheft am Institut herausgegeben. Alle wissenschaftlichen Ergebnisse und Pilotstudien aus dem Bereich der Vasenforschung, werden nach Themen zusammengefasst darin publiziert. Bisher sind das Beiheft 1 zu den „Interdisziplinären Dokumentations- und Visualisierungsmethoden“ sowie das Beiheft 2 „Pflanzen und Tiere auf griechischen Vasen“, Akten des Kongresses, der 2013 in Graz abgehalten wurde, erschienen.