Fontes Inediti Numismaticae Antiquae (FINA)


Project leader: PD Dr. Bernhard Woytek

Researcher: Dr. Daniela Williams

Die Beschäftigung mit Forschungsgeschichte hat in der Numismatik gegenwärtig Hochkonjunktur. Eine adäquate Beurteilung der Entwicklung des Faches und seiner Methoden ist aber lediglich bei Studium nicht nur des gedruckten, sondern auch des umfangreichen handschriftlich überlieferten numismatischen Schrifttums vor allem des 16.‒18. Jhdts. möglich. Dieses Material ‒ Manuskripte nicht immer publizierter Werke sowie vor allem auch Fachkorrespondenz ‒ ist auf der ganzen Welt verstreut in Archiven und öffentlichen sowie privaten Bibliotheken aufbewahrt und bisher weithin unbekannt; deshalb findet es in wissenschaftsgeschichtlichen Untersuchungen vielfach keine Berücksichtigung.

Diese Lücke soll durch das internationale Projekt Fontes Inediti Numismaticae Antiquae (FINA) geschlossen werden, das von der Académie royale de Belgique (Brüssel; Prof. Dr. François de Callataÿ) und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Wien) koordiniert wird und unter die Patronanz der Union Académique Internationale (UAI) gestellt werden soll. In diesem Projekt ist eine Erschließung vorzüglich von Gelehrtenbriefen geplant, die der antiken griechischen und römischen Numismatik gewidmet sind. Als chronologische Obergrenze wurde das Jahr 1800 gewählt: Der „Vater der wissenschaftlichen Numismatik“, Joseph Hilarius Eckhel, starb 1798 in Wien. Die Schriftstücke sollen ediert und mit einem fachnumismatischen Kommentar versehen werden; eine Veröffentlichung aller erfaßten und bearbeiteten Dokumente im Internet ist geplant.

Einer der wichtigen Standorte unpublizierter numismatischer Archivalien ist das Archiv des Münzkabinetts des Kunsthistorischen Museums Wien, das von der Wiener Arbeitsgruppe von FINA erforscht wird. Von 2013 bis 2015 fördert der österreichische Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) das an der Österreichischen Akademie der Wisenschaften angesiedelte Projekt „Joseph Eckhel (1737‒1798) and his numismatic network“ (P25282), welches von Bernhard Woytek geleitet und von Daniela Williams bearbeitet wird. In ihm wird das am Wiener Münzkabinett aufbewahrte Corpus der an Eckhel gerichteten Schreiben sowie Briefe aus der Feder Eckhels in internationalen Archiven bearbeitet. So kann die entscheidende Phase der Entwicklung der Numismatik zur modernen Wissenschaft im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts gänzlich neu erforscht werden.
 

Das wissenschaftliche Kommitee des Projekts FINA umfaßt derzeit die folgenden Wissenschaftler:

HR Univ.-Doz. Dir. Dr. Michael Alram, Kunsthistorisches Museum und Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien, Österreich

Prof. Dr. John Cunnally, Iowa State University, Ames, USA

Prof. Dr. François de Callataÿ, Bibliothèque royale de Belgique und Académie royale de Belgique, Brüssel, Belgien

Dr. Ursula Kampmann, Lörrach, Deutschland

Dr. Federica Missere Fontana, Centro di Studi Muratoriani, Modena, Italien

PD Dr. Bernhard Woytek, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien, Österreich