„Zurück nach Dakar“
20.04.2026
In der vergangenen Woche wurde an der Université Cheikh Anta Diop (UCAD) in Dakar (Senegal) die Ausstellung „Retour à Dakar – Les recherches linguistiques historiques au présent. Les langues Cangin et leurs locuteur·rices dans un dialogue scientifique et artistique“ eröffnet. Anlass: das 60-jährige Jubiläum der Universitätsbibliothek. Die Eröffnung der Ausstellung war der Höhepunkt einer bereits seit 2024 etablierten Zusammenarbeit zwischen der Universität Wien, dem Phonogrammarchiv und Projektpartner:innen im Senegal.
Mit dabei: Bestände aus dem Phonogrammarchiv
Im Phonogrammarchiv werden die Tonaufnahmen des Afrikanisten Walter Pichl aus den 1960er/70er Jahren verwahrt, der mit Léopold Sédar Senghor, dem ersten Staatspräsidenten des unabhängigen Senegal bekannt war. Erstmals seit Pichls Feldforschungen wurden einige Aufnahmen nun von Kolleg:innen der Universitäten Wien und Graz und unter enger Einbindung von Partner:innen vor Ort in den Senegal zurückgebracht, in der erwähnten Ausstellung öffentlichkeitswirksam präsentiert und an die Forscher:innen der UCAD (Anna Marie Diagne – Institut Fondamental d’Afrique Noire, Augustin Ndione – Centre de linguistique appliquée und El Hadji Dièye – Département de Linguistique) sowie der Bibliothek übergeben.
Digitalisierung und lebendiger Dialog

Das Phonogrammarchiv hatte die Aufnahmen für ein Forschungs- und Erschließungsprojekt zu Pichls Nachlass unter der Federführung von Gabriele Slezak, Jennifer Brunner und Alexander Kupfer (Universitäten Wien und Graz) digitalisiert, das Team bei der Rechteabklärung unterstützt und die Tondokumente für die Wiedernutzung aufbereitet. Ein gemeinsames Anliegen: die Kontaktaufnahme mit und die Einbeziehung von heute betagten Personen, die Pichl seinerzeit aufgenommen hat. Einige von ihnen waren bei der Ausstellungseröffnung dabei und erhielten erstmals seit Jahrzehnten die Möglichkeit, ihre Stimmen zu hören. Fünf dieser Personen wurden Digitalkopien ihrer Tonaufnahmen zurückgegeben.
Verantwortung des Archivs
Als Bewahrer historischer Tonquellen sichert das Phonogrammarchiv solche Bestände langfristig und macht sie für faire, rechtlich und ethisch abgeklärte Nutzungen und die Rückgabe an die aufgenommenen Personen zugänglich. In diesem Fall sollen die internationalen Kooperationen für die weitere Erschließung und Forschung in Zukunft noch ausgebaut werden.
Die Beteiligung und Förderung der Ausstellung durch die Österreichische Botschaft in Dakar sowie die Anwesenheit des Enkelsohns von Walter Pichl, Paul Kaiser, aber auch der aufgenommenen Sprecher:innen und zahlreicher Forscher:innen bestätigt nicht nur die Relevanz des Materials und einer Auseinandersetzung damit, sondern ermöglicht auch einen intensiven Dialog zwischen Forschung, Zivilgesellschaft, Politik und Kunst beider Länder.


