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SOUNDS & SIGHTS OF SCIENCE #58

Neue Audiotechnologien zur Rezirkulierung der Kaukasus-Aufnahmen (1909–1910) – vorgestellt von Conny Gruber und Johannes Spitzbart

02.10.2026
Zwei Fotos von Bachutow auf einem Gendarmerie-Festnahmeprotokoll mit russischem Text. Das erste Foto zeigt ihn von der Seite, das Zweite von vorne.
Die Fotos wurden 1909, ein Jahr vor der Aufnahme, bei der Festnahme durch die Gendarmerie in Tiflis gemacht. Alexander Michailowitsch Bachutow wurde später zu einer revolutionären Figur und 1938 in Moskau exekutiert. Sein Name wurde 1957, nach Stalins Tod, rehabilitiert. Quelle: Nationalarchive von Georgien

WAS IST ZU HÖREN?

Sie hören das Digitalisat der Aufnahme Ph 2253, in der Alexander Michailowitsch Bachutow (27, Student) aus dem Theaterstück „Pepo“ auf Armenisch im Dialekt von Tiflis vorliest. Sie entstand um 1910 in Tiflis gemeinsam mit dem deutschen Linguisten und Kaukasiologen Adolf Dirr. Der Tonträger, das sogenannte „Phonogramm“, liegt als Epoxidharzabguss einer Metallmatrize vor, die vom Wachs-Original angefertigt wurde. Zunächst ist die unbearbeitete Version zu hören, gefolgt (00:32) von einer digital restaurierten Fassung, die den qualitativen Unterschied „veran-hör-licht“.

 


   

WAS IST DARAN BESONDERS INTERESSANT?

Diese Aufnahme ist Teil von Adolf Dirr’s recordings from the Caucasus (1909–10), der nächsten Online-Ausgabe der Editionsreihe The Complete Historical Collections 1899–1950. Die Restaurierung der 48 Tonaufnahmen wurde von Johannes Spitzbart durchgeführt. Das Ziel war eine Verbesserung der Verständlichkeit, ohne das aufgezeichnete Tonsignal zu beeinträchtigen. Neue Softwarewerkzeuge ermöglichten im Vergleich zu früheren Restaurierungen eine erhebliche Effizienzsteigerung bei der Entfernung unerwünschter Störgeräusche. Zusätzlich wurden auf den 48 Webseiten der Tonaufnahmen interaktive Transkriptionen (Hyperaudio-Plugin) implementiert. Der jeweils hörbare Text wird in den linguistischen Transkriptionen sowie in den Übersetzungen auf Englisch oder Georgisch laufend farblich markiert.

WIE BESCHÄFTIGEN WIR UNS DAMIT?

Eine Online-Rezirkulierung von Tonaufnahmen eröffnet neue Zielgruppen. Was schnell als Erfolg im Sinne des Zugangs zu den historischen Aufnahmen gedeutet werden kann, muss sich jedoch auch Fragen der epistemologischen und technischen Zugänglichkeit stellen. Sind die Editionstexte sowohl sprachlich als auch inhaltlich auch für Nicht-Wissenschaftler:innen erfassbar; die aufgenommenen Stimmen und Instrumente der historischen Aufnahme für die Allgemeinheit gut hörbar? Wie haben Nachfahr*innen und Gemeinschaften ähnlicher kultureller Praxen tatsächlich Zugang zum Internet? Obgleich diese Fragen nur unzureichend und fallbasiert beantwortet werden können, deckt die Option, unterschiedliche Versionen und Qualitäten der Tonaufnahmen herunterzuladen, verschiedene Interessen ab. Gleichzeitig ermöglicht sie, diese via Bluetooth oder Messaging mit Interessierten ohne Zugang zu Webbrowsern zu teilen.
 


Johannes Spitzbart ist verantwortlich für die Videotechnik des Phonogrammarchivs und die Digitalisierung und Langzeitarchivierung von Videobeständen. Er befasst sich außerdem mit der Durchführung und Bearbeitung diverser Aufnahmeprojekte und ist zuständig für die digitale Audiorestaurierung.

Conny Gruber ist im Phonogrammarchiv für den Bereich Publikationen und Editionen zuständig. Aktuell arbeitet Gruber am Abschluss der Online-Edition, die im November 2026 publiziert wird. Die erste Ausgabe gibt Conny Gruber gemeinsam mit Gerda Lechleitner, Christian Liebl und Ulla Remmer heraus.

LINKS

Link zum Katalogeintrag der Aufnahme Ph 2253 am Phonogrammarchiv

Hyperaudio Website


Die öffentliche Präsentation der Online-Edition im November 2026 wird hier in Kürze verlinkt.