SOUNDS & SIGHTS OF SCIENCE #57
04.09.2026
WAS IST ZU SEHEN/HÖREN?
Zu sehen ist eine Kopie eines Nuo-Opern-Maskensatzes, die mit expliziter Erlaubnis vonseiten des Leiters der Yongxingshe-Theatertruppe hergestellt wurde. Die originalgetreu gefertigten Stücke repräsentieren den kompletten Maskensatz eines Nuo-Theaterclans aus dem Guichi-Distrikt in der ostchinesischen Provinz Anhui. Diese Masken kamen 2009 mit der sogenannten RMB Collection an das Phonogrammarchiv und stellen die einzige derartige Sammlung außerhalb der Volksrepublik China dar. Sie wurden im Jahr 2021 auf der Schallaburg ausgestellt und von mir im dazugehörigen Ausstellungskatalog Sehnsucht Ferne – Aufbruch in neue Welten vorgestellt.
Die Videosequenz zeigt einen Teil des Nuo-Rituals aus der Nuo-Oper mit dem Titel Tiao Nuo Shen („Über neun Hürden“). Die mit einer besonderen Verkleidung sowie mit Maske und Fächer ausgestattete Bauernfigur tanzt und rezitiert dabei Gebete, um mit diesem Ritual böse Geister, Krankheiten und andere schädliche Einflüsse abzuwehren und die Gunst der Götter zu erbitten.
Ausschnitt aus einer Aufführung der chinesischen Nuo-Oper.
Videoaufnahme. Kamera: Bernhard Graf, August 2012.
WAS IST DARAN BESONDERS INTERESSANT?
Nuo ist eine der ältesten religiösen Volksopern Chinas. Sie zeichnet sich durch besondere Merkmale wie markante Masken, figurentypische Verkleidungen und spezifischen Schmuck sowie eine bei der Aufführung verwendete besondere Sprache aus. Die mit geheimnisvollen Szenarien beeindruckende Kunstform wurde von China in die Liste des immateriellen Kulturerbes des Landes aufgenommen.
Die oben präsentierte Videosequenz stammt aus einer am 17. August 2012 anlässlich der Internationalen Nuo-Konferenz gezeigten Sonderaufführung, aufgenommen von Prof. Dr. Rudolf Maria Brandl (1943–2018) und Bernhard Graf, Mitarbeiter des Phonogrammarchivs. Die Einladung zur Teilnahme an dieser Konferenz einschließlich einer Aufnahmebewilligung erfolgte durch die Chinese Nuo-Research Society in Beijing.
WIE BESCHÄFTIGE ICH MICH DAMIT?
Die Internationale Nuo-Konferenz wurde im August 2012 in der Kreisstadt Linwu, Provinz Hunan, VR China abgehalten. Die Teilnahme des Phonogrammarchivs an dieser Tagung wurde von mir organisiert, einschließlich aller Reisevorbereitungen, dem Etablieren der notwendigen Kontakte zur genannten Theatertruppe sowie der sprachlichen Vermittlung in sämtlichen Belangen vor Ort. Die Materialsammlung, die bei der Feldforschung während der Tagung entstand, ist Teil der nach Rudolf Maria Brandl benannten RMB Collection. Dazu zählen Videoaufnahmen, Fachliteratur, fachspezifische CDs und DVDs sowie auch die in Abbildung 1 gezeigten Nuo-Masken. Die kuratorische Betreuung des chinesischen Teils der RMB Collection gehört, neben zahlreichen anderen Agenden, zu meinen Aufgaben am Phonogrammarchiv.
Li Huang ist Germanistin und als Sekretärin sowie Kuratorin des chinesischen Teils der RMB Collection am Phonogrammarchiv tätig.
LITERATUR
Brandl, R.M. & Wang Zhaoqian. 2001. Nuo: Tänze der Geistermasken im Erdgottkult in Anhui (China). Band I–III. (Orbis Musicarum, 12). Göttingen: Edition Re.
Huang, Li. 2021. „Die Masken von Guichi“. In: Schallaburg Kulturbetriebsges.m.b.H. (Hg.). Sehnsucht Ferne: Aufbruch in neue Welten. Schallaburg: Schallaburg Kulturbetriebsges.m.b.H., 118–119.

