SOUNDS & SIGHTS OF SCIENCE #53
01.05.2026
WAS IST ZU HÖREN?
So lautet die erste Strophe dieses im 19. Jahrhundert populären Frühlingsliedes von Anton von Klesheim (Text) und Joseph Kreipl (auch Kreipel, Melodie), das sich in den berühmten Kremser Alben ebenso findet, wie in Franz Magnus Böhmes Sammlung Volksthümliche Lieder der Deutschen im 18. und 19. Jahrhundert - hier zu hören in einer Fassung für Kammspielwerk:

WAS IST DARAN BESONDERS INTERESSANT?
In der Zeit vor der Erfindung der Schallaufzeichnung waren mechanische Musikinstrumente das Medium, um beliebte Melodien in den eigenen vier Wänden hören zu können. So finden sich sechs weitere akustische Belege für das Mailüfterl unter den umfangreichen Aufnahmen von historischen Musikautomaten im Phonogrammarchiv.
Eine ganz zentrale Rolle spielt besagtes Lied bis heute beim Mailüfterlblasen in Ternitz und Umgebung im südlichen Niederösterreich. Bei diesem Brauch ziehen in der Nacht von 30. April auf 1. Mai kleine Ensembles der lokalen Blasmusikvereine von Haus zu Haus und spielen die Bevölkerung an, worauf sie meist mit Speis und Trank belohnt werden. Im Rahmen des in den Jahren 1978–1985 durchgeführten Projektes „Singen und Musizieren in Österreich bei aktuellen Anlässen“ machte Helga Thiel diesbezügliche Aufnahmen mit einem Klarinettentrio und einem Waldhornquartett.
WIE BESCHÄFTIGE ICH MICH DAMIT?
Im Zuge einer Feldforschung im Jahr 2009 hatte ich dann gemeinsam mit meinem Kollegen Bernhard Graf die Gelegenheit, eine Partie des 1. Ternitzer Musikvereins beim Mailüfterlblasen zu begleiten und audio-visuell zu dokumentieren. Diese äußerst vergnügliche und kulinarisch beeindruckende Unternehmung war Teil einer damals durchgeführten Re-Study zum oben erwähnten Projekt. Das von uns aufgenommene Ensemble spielte in der Besetzung Flügelhorn, Klarinette, Tenorhorn und Tuba neben dem Mailüfterl auch einige andere beliebte Stücke.
Immer noch wird in Ternitz und Umgebung in der Nacht zum 1. Mai dasselbe Lied gespielt, und doch hat sich im Laufe der Zeit etwas grundlegend verändert: Waren vor einem Vierteljahrhundert hauptsächlich Männer in der Blasmusik tätig, so sind mittlerweile viele Frauen in den Vereinen aktiv – im Jahr 2009 jedenfalls auch beim traditionellen Mailüfterlblasen.
Katharina Thenius-Wilscher ist Musikwissenschaftlerin am Phonogrammarchiv und Kuratorin für (Volks-)Musik in Österreich.
LINK
Mailüfterlblasen im Online-Katalog des Phonogrammarchivs
