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SOUNDS & SIGHTS OF SCIENCE #52

Tondraht: Vom Aussterben einer Technologie – vorgestellt von Sophie Behnert

03.04.2026
Die Abbildung zeigt die Detailaufnahme eines Tondrahtes, der sich in einem Webster Chicago Recorder verfangen hat.
Tondraht, der sich in einem Webster Chicago-Recorder verfangen hat. © Phonogrammarchiv, Sophie Behnert

WAS IST ZU SEHEN?

Zu sehen ist die Inbetriebnahme eines neu entwickelten Wiedergabegerätes für Tondrähte, der Wire Transfer Machine von Endpoint Audio Labs. Tondrähte sind magnetisierbare, haardünne Stahldrähte, die im 20. Jahrhundert zur Schallaufzeichnung mittels elektromagnetischer Induktion genutzt wurden. Der Prototyp dieser Audiotechnik, das Draht-Telegrafon, wurde bereits um 1905 in Dänemark vertrieben. Weiterentwicklungen wie der „Dailygraph“ verbreiteten sich vor allem in Großbritannien und den USA zwischen 1930 und 1950. In AV-Archiven muss der technologischen Obsoleszenz der Wiedergabegeräte begegnet werden, um Analogformate digitalisieren zu können. Die hier präsentierte Spezialanfertigung von Nicholas Bergh ermöglicht es uns, Tondrahtaufnahmen auszulesen.
 

WAS IST DARAN BESONDERS INTERESSANT?

Trotz der Erfindung von rostfreien und sehr stabilen Stahldrähten, der Hochfrequenz-Magnetisierung (1921) oder der elektronischen Verstärkung (um 1940) verschwand die Tondraht-Technik aus Europa. Kommerzielle Drahtton-Maschinen werden nicht mehr produziert, sodass für die Digitalisierung von Stahldraht-Aufnahmen auf gewartete, historische Geräte zurückgegriffen werden muss. Indes sind die funktionsfähige Technologie, formatspezifische Ersatzteile oder allein das Wissen über die Handhabung der Abspielgeräte verschollen oder rar gesät. Dieser Umstand erschwert einerseits die konservatorische Betreuung von Tondraht-Aufnahmen und birgt andererseits das Risiko der Schädigung der Datenträger durch veraltete Abspielgeräte.

WIE BESCHÄFTIGE ICH MICH DAMIT?

Ich beschäftige mich mit einem Tondraht, der sich vor der Anschaffung der Wire Transfer Machine in einem Webster Chicago-Gerät verfangen hat; vgl. dazu Michael Biel (zit. in King 1998: 6): „Snarls and tangles are my worst problem. [...] Patience is the only answer.“ Mechanische Schädigungen einer Tonaufnahme durch Knicke, Verwicklungen und Brüche des Drahtes sind durchaus bekannte Schadensphänomene an Tondrähten. Korrodierte Bereiche früher, rostanfälliger Drähte schädigen zusätzlich einerseits in eher geringem Maße die magnetisch gespeicherten Informationen, andererseits in hohem Maße die empfindlichen Tonköpfe der Wiedergabegeräte. Die stockende Bewegung eines Kopfes im Recorder, schnelles Zurückspulen der Drähte, oder Unregelmäßigkeiten im mechanischen Gefüge der Geräte können die Schädigung einer Tondraht-Aufnahme begünstigen.


Sophie Behnert befindet sich derzeit im Abschlussjahr ihres Studiums der Konservierung und Restaurierung im Fachbereich moderne und zeitgenössische Kunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Seit September 2024 ist sie als studentische Mitarbeiterin am Phonogrammarchiv tätig.


Quellen:

 

Engel, Friedrich, Gerhard Kuper, Frank Bell & Wulf Münzner. 2010. Zeitschichten: Magnetbandtechnik als Kulturträger. Erfinder-Biographien und Erfindungen. Potsdam: Polzer.

King, Gretchen. 1998. Magnetic Wire Recordings: A Manual Including Historical Background, Approaches to Transfer and Storage, and Solutions to Common Problems. [letzter Zugriff am 14. März 2026]

Manying, Nie, Wang Xi, Zhang Shuxia & Yan Jie. 2017. „An Investigation into the Restoration of 1950s Wire Recordings“, in: Rachael Stoeltje et al. (eds.). Sustainable Audiovisual Collections Through Collaboration. Bloomington: Indiana University Press.