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SOUNDS & SIGHTS OF SCIENCE #49

Anna Hohenwart-Gerlachstein und ihre Tonaufnahmen aus Nubien (Ägypten) – vorgestellt von Gebhard Fartacek

02.01.2026
Zu sehen ist das Portrait einer älteren Dame.
Anna Hohenwart-Gerlachstein, Abbildung aus Marquardt (2021: 1432).

WAS IST ZU HÖREN?


Diese Tonaufnahme entstand im Zuge einer „Informationsreise durch Nubien“, die die österreichische Ethnologin Anna (von) Hohenwart-Gerlachstein im September 1962 unternahm. Die damalige Oberassistentin des Instituts für Völkerkunde der Universität Wien schildert die Feldforschungssituation im Katalog des Phonogrammarchivs wie folgt:
 

WAS IST DARAN BESONDERS INTERESSANT?

Anna (von) Hohenwart-Gerlachstein arbeitete über Minderheiten und Frauen im islamischen Orient, schon lange bevor dies im Sinne einer „postkolonialen politischen Korrektheit“ eingefordert wurde (Gingrich/Haas 1999:126). Auf der Grundlage ihrer 1951 approbierten Dissertation Die Stellung der Frau im alten Ägypten: Eine ägyptologisch-ethnologische Studie entfaltete sie eine rege Feldforschungstätigkeit unter marginalisierten Bevölkerungsgruppen Oberägyptens und des Sudans. Ihre ethnographischen Sprach- und Musikaufnahmen sind sowohl für die Wiener Nahostforschung von höchster Relevanz, als auch für rezente Forscher*innen, Aktivist*innen und Kulturschaffende aus Nubien, die sich für das Leben ihrer Vorfahren interessieren. Vor dem Hintergrund der Vertreibung ganzer Bevölkerungsgruppen durch nationalstaatliche Großprojekte (Assuan Staudamm) können derartige Forschungsdokumente für lokalkulturelle Gemeinschaften der Gegenwart identitätsstiftend und darüber hinaus der Legitimierung von Besitzansprüchen dienlich sein.

WIE BESCHÄFTIGE ICH MICH DAMIT?

Das Phonogrammarchiv beherbergt nicht nur die – inzwischen vollständig digitalisierte – Tonbandsammlung dieser bedeutenden Wissenschaftlerin, sondern auch einen forschungsrelevanten Teil ihres Nachlasses, der dem Phonogrammarchiv vor einigen Jahren dankenswerterweise anvertraut wurde und nun sukzessive aufgearbeitet wird. Meine Perspektive ist dabei eine fachgeschichtliche, die durch die Kooperation mit nubischen Forscher*innen neue Inspirationen erfährt. Dabei ist allen voran die fruchtbare Zusammenarbeit des Phonogrammarchivs mit Fayrouz Kaddal (AUC) hervorzuheben, die u.a. in diesem Tour de CLARIN Interview ihren Ausdruck findet.

 


Gebhard Fartacek ist Kultur- und Sozialanthropologe und als Kurator für die Nahostbestände des Phonogrammarchivs verantwortlich. Er forscht zu ethnisch-religiösen Minderheiten, lokalkulturellen Konfliktbewältigungsstrategien und Identitätskonstruktionen im Nahen Osten sowie zu ethnographischen Feldforschungsmethoden.

QUELLEN

Gingrich, Andre & Sylvia Haas (1999): „Vom Orientalismus zur Sozialanthropologie. Ein Überblick zu österreichischen Beiträgen für die Ethnologie der islamischen Welt“. In: Gingrich, Andre: Erkundungen – Themen der ethnologischen Forschung, S.121–146.

Kaddal, Fayrouz (2021): “On Displacement and Music: Embodiments of Contemporary Nubian Music in the Nubian Resettlements” [Master’s Thesis, the American University in Cairo]. AUC Knowledge Fountain.

Marquardt, Mirja (2021): „Anna Hohenwart-Gerlachstein am Wiener Institut für Völkerkunde 1942–1945“. In: Gingrich, Andre & Peter Rohrbacher (Hg.): Völkerkunde zur NS-Zeit aus Wien (1938-1945), Band 3, S.1431–1448.

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