WAS IST ZU SEHEN?
Mithilfe der Fourier-Transformations-Infrarotspektroskopie (kurz FTIR) können Materialien zerstörungsfrei charakterisiert werden, weshalb sie für die Konservierung von Archivbeständen besonders wichtige Informationen liefert. Die Daten sind eine Grundlage für die Konservierungsforschung und geben etwa Anhaltspunkte für Lagerungsbedingungen.
Manchmal ist es dennoch notwendig, eine Probe zu entnehmen. Der Aufnahmezylinder im Video etwa kann aufgrund seiner Form nicht anders mit dem Spektrometer untersucht werden. Die Fragestellung war hierbei, ob sich seine Zusammensetzung von jener später genutzter Aufnahmezylinder mit Hilfe der FTIR-Spektroskopie unterscheiden lässt.
WAS IST DARAN BESONDERS INTERESSANT?
Besonders zu Beginn der Tonaufzeichnung wurden auf der Suche nach geeigneten Aufnahmematerialien verschiedenste Kombinationen ausprobiert. Nach Zinnfolien und beschichteten Kartonplatten stellen die Wachszylinder das Tonaufnahmeformat dar, das nach seiner Erfindung durch Thomas Alva Edison 1887 in Verbindung mit dem Phonographen Verbreitung fand. Die Zusammensetzungen der Zylinder wurden in den nächsten Jahrzehnten weiterentwickelt. Mischungen aus Paraffin und Bienenwachs stellten sich bald als zu weich heraus, weshalb andere wachsähnliche – und Ende des 19. Jahrhunderts verfügbare – Materialien Verwendung fanden. So wurden Ozokerit (Erdwachs), Ceresin, Stearinsäure und ihre Metallsalze, Montanwachs, Pech und Carnaubawachs gemischt. Der im Video gezeigte Zylinder, bespielt um 1900, besteht aus einer Mischung von Salzen langkettiger Carbonsäuren (Metallseifen) und unterscheidet sich nur in einer Bande von späteren Exemplaren, s. Abb. 1. Ihr Ursprung bleibt zu klären.


WIE BESCHÄFTIGE ICH MICH DAMIT?
Im SONIME–Projekt steht neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit historischen Audiobriefen auch die Beschreibung der Trägermedien im Fokus. Die Bandbreite reicht dabei von frühen Wachszylindern über Selbstaufnahmeplatten bis zu Kompaktkassetten. Jedes Trägermedium spiegelt dabei auch den technischen Fortschritt seiner Zeit wider. Das Wissen, woraus ein Objekt besteht, kann dabei helfen, für jene Bedingungen zu sorgen, dank derer das Archivgut bestmöglich erhalten werden kann.
Johann Hinterstoisser ist als Mitarbeiter im Projekt SONIME für Materialanalysen und Dokumentation zuständig und trägt dazu bei, die Materialvielfalt historischer Aufnahmemedien zu beschreiben.
LITERATUR
Horie, C.V. (2010) Materials for conservation: organic consolidants, adhesives and coatings. 2. Auflage. Seite 260.
Müske, J., Puille, S., Leitmeyr, P.A. (2020) Die Technisierung der Klangwelt: Phonographen im Deutschen Museum. 1. Auflage. Seite 162.


