WAS IST ZU HÖREN?
Vor 120 Jahren, Anfang Februar 1905, verließ ein Dampfer des Österreichischen Lloyd den Hafen von Bombay in Richtung Triest. An Bord: Felix Exner (1876–1930), Privatdozent an der Universität Wien, Assistent an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik – und der Sohn von Sigmund Exner, dem Gründer des Phonogrammarchivs. Im Gepäck: ein Archiv-Phonograph samt Wachsplatten mit Tonaufnahmen, die er zwischen dem 22.12.1904 und dem 23.1.1905 im Zuge einer meteorologischen Forschungsreise in Bombay (Mumbai), Benares (Varanasi), Kalkutta (Kolkata) und Madras (Chennai) gemacht hatte. Die Anregung dazu kam vom Grazer Orientalisten Johann Kirste, der sich davon Hinweise zur Metrik und Aussprache des Sanskrit, einer Form des Altindischen, erhoffte. Die 68 Phonogramme enthalten daher vor allem Sanskrit-Rezitationen, z.B. aus Epen wie dem Mahabharata; sie wurden bereits in unserer Gesamtausgabe auf CD veröffentlicht.
Mehr als die Hälfte der Aufnahmen entstand über Vermittlung von Henry Steel Olcott, dem Mitbegründer und Präsidenten der Theosophischen Gesellschaft – und zwar in der Adyar Library, wo Yajneshvara Dikshita, Brahmane und „Senior Pandit“, am 19.1.1905 eine Begrüßungsansprache auf Sanskrit (Ph 431) hielt, die mit folgenden Worten begann:
WAS IST DARAN BESONDERS INTERESSANT?
Dieses Tondokument ist aus zwei Gründen interessant: Erstens hat eine Aufnahme von gesprochenem Sanskrit aus der Zeit um 1900 durchaus einen gewissen Seltenheitswert, wie Ulla Remmer im CD-Booklet (S. 24) anmerkt. Und zweitens reflektiert der Sprecher hier auch über den Archiv-Phonographen und die Tonaufzeichnung; für diese Art der Metaebene gibt es in unseren Historischen Beständen nur vereinzelte Belege.
WIE BESCHÄFTIGE ICH MICH DAMIT?
Obwohl diese Phonogramme schon 2016 publiziert wurden, beschäftige ich mich nach wie vor mit ihnen, sodass sich jüngst bei Recherchen zu einem Vortrag die nicht so üppige Quellenlage in zweierlei Hinsicht erweitern ließ: Zum einen fand sich unser Sprecher auf einem Gruppenphoto des Bibliothekspersonals von 1911, zum anderen wurde das bislang einzige Bild der Reise entdeckt, das auch Felix Exner zeigt und wohl unmittelbar vor oder nach der bisher bekannten Photographie entstand. Von diesen neuen Illustrationen wird nach entsprechender Aufbereitung der CD-Ausgabe auch die zukünftige Online-Edition profitieren, für die ich unter anderem mit der Suche nach neuem Bildmaterial betraut bin.
Christian Liebl ist Kurator der Historischen Sammlungen des Phonogrammarchivs.




