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SOUNDS & SIGHTS OF SCIENCE #37

PCM-Ton auf Betamax-Kassette - vorgestellt von Sophie Behnert und Leonie Zoe Bröders

03.01.2025
Aufnahme des originalen Trägers aus dem Bestand des PhA, Aufnahme von Leonie Bröders und Sophie Behnert

WAS IST ZU HÖREN?

Das Phonogrammarchiv verfügt über eine Vielzahl an audiovisuellen Trägern, darunter auch das Videoformat Betamax, welches 1975 für den Verbrauchermarkt eingeführt wurde. Die hier vorgestellte Betamax-Kassette stammt aus der Sammlung Walter Tilgner, die Tondokumente von Vogelstimmen und Naturgeräuschen aus Deutschland und Österreich umfasst. Die Aufnahme aus unserem Beispiel entstand im Jahre 1983 und ist keine Videoaufnahme, sondern eine der ersten digitalen Tonaufnahmen von Tilgner und enthält so charmante Aufzeichnungen wie „Meisengezeter! SEHR GUT!!!!!!“ oder das „Schnurren des Siebenschläfers“. Der so aufgenommene Ton kann nicht mit einem herkömmlichen Betamax-Videorekorder allein abgespielt werden: Erst wenn ein spezieller PCM-Decoder zugeschaltet wird, in unserem Fall der Sony PCM-F1, kann das digitale Tonsignal hörbar gemacht werden.

WAS IST DARAN BESONDERS INTERESSANT?

Mithilfe von PCM (Pulse Code Modulation) wird das ursprüngliche analoge Audiosignal in ein digitales Signal umgewandelt, dann als analoges Videosignal enkodiert und auf das Kassettenband aufgezeichnet. Dabei ist der PCM-Ton auf einem Teil der Schrägspur lokalisiert, also Teil der Videospur, die normalerweise die Bildinformationen enthält. Bei auf diese Art bespielten Betamax-Kassetten kann der PCM-Ton nur mithilfe von Zusatzgeräten aufgezeichnet und wiedergegeben werden. Der von Sony produzierte PCM-F1 Prozessor liest bei der Wiedergabe die auf der Kassette gespeicherten analogen Bildinformationen und wandelt sie wieder in ein Tonsignal um, oder umgekehrt bei der Aufnahme. Der Vorteil, den Ton als digitales Signal abzuspeichern, liegt darin, dass ein PCM-Ton sich verlustfrei kopieren lässt und u.a. das Bandrauschen einer analogen Aufnahme umgangen werden kann.

Dabei kann der PCM-Ton nicht nur akustisch, sondern auch visuell wahrgenommen werden: Selbst wenn hier keine Bildinhalte aufgezeichnet wurden, kann der Monitor das digitale Audiosignal in seiner Form als Video von vertikalen und blockhaften Mustern visualisieren.
 

WIE BESCHÄFTIGEN WIR UNS DAMIT?

Unsere Arbeit am Phonogrammarchiv besteht in der Inventarisierung der Bestände. Dabei treffen wir auf eine große Bandbreite an Tonträgern und identifizieren zunächst die AV-Medien. Der Archivbestand umfasst derzeit über 78 000 Einzelaufnahmen.

 


Leonie Bröders und Sophie Behnert sind Studierende an der Akademie der bildenden Künste Wien im Fachbereich Konservierung und Restaurierung von moderner und zeitgenössischer Kunst. Sie unterstützen das Phonogrammarchiv bei der Inventarisierung der Tonträger für die Übersiedlung der Bestände an einen neuen Standort.


QUELLEN

Kompendium der Bildstörungen beim analogen Video, J. Gfeller,  A. Jarczyk, J. Phillips; Herausgeber: ‎Scheidegger & Spiess; 1. Edition (20. Februar 2013)

MMus. William M. Prentice: Early Digital Audio, 2005 (unpubliziert)

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