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Recordings from Prisoner-of-War Camps, World War I, Series 17/1–5

Neuerscheinung im Rahmen der Reihe „Gesamtausgabe der Historischen Bestände 1899-1950“...

29.05.2018

Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden „klassische“ phonographische Feldforschungen massiv eingeschränkt. Rudolf Pöch, Professor für Anthropologie und Ethnographie an der Universität Wien, erkannte in der Kriegssituation jedoch „eine noch nie dagewesene … Gelegenheit für die wissenschaftliche Forschung“. Diese nutzte er gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Robert Lach, um vor allem in den k. u. k. Kriegsgefangenenlagern von Eger (Cheb), Reichenberg (Liberec) und Theresienstadt (Terezín) in Böhmen (heute Tschechische Republik) umfangreiche Sprach- und Musikaufnahmen „nahezu sämtlicher Völkerschaften des europäischen und asiatischen Rußland“ zu machen. Die rund 200 Phonogramme entstanden im Kontext eines weitreichenderen Projekts der Anthropologischen Gesellschaft und mit finanzieller Unterstützung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Neben Zeugnissen zahlreicher Minderheitensprachen finden sich auf diesen noch heute im Phonogrammarchiv verwahrten Aufnahmen auch bisher ungehörte, kritische Kommentare der unter tragischen Bedingungen beforschten Kriegsgefangenen. Dies unterstreicht das enorme Potential von historischen Tonaufnahmen als Quellen für die heutige Forschung.

Hundert Jahre nach ihrer Entstehung wurden sie – vor allem im Rahmen des Projekts „Displaced Voices“ (gefördert vom Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank, Proj.Nr. 15848) – im Phonogrammarchiv digitalisiert und in Kooperation mit internationalen Fachleuten wissenschaftlich kommentiert. Die Edition umfasst neben den Audio-CDs mit den signalverbesserten Phonogrammaufnahmen jeweils eine Daten-CD mit Scans der originalen Aufnahmeprotokolle, Orientierungstranskriptionen sowie umfangreichen Informationen über das Zustandekommen der Aufnahmen, die Forscher und den wissenschaftsgeschichtlichen Hintergrund. Außerdem erläutern Kommentare den Stellenwert der historischen Aufnahmen aus heutiger Sicht. Die englischsprachige Publikation bildet somit einen wichtigen Beitrag im Diskurs zu „Forschung im Krieg“ und wirft ein neues Licht auf diese dunkle Zeit.

Inhalt der Series 17/1–5:
17/1: Armenian – Jewish – Latvian – Lithuanian Recordings
17/2: Finno-Ugric Recordings
17/3: Russian – Ukrainian Recordings
17/4: Turk-Tatar Recordings
17/5: Georgian – Avar – Jewish – Ossetian – Svanetian Recordings