
Dr. Deutsch promovierte 1974 an der Universität Wien in Psychologie und Physiologie und habilitierte sich dort im Jahr 2000. Ab 1976 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Kommission für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Mit der Umwandlung der Kommission in eine Forschungsstelle im Jahr 1994 übernahm er die Leitung. Sein unermüdliches Engagement führte im Jahr 2000 zur Gründung des heutigen Instituts für Schallforschung, dem er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2012 als Direktor vorstand.
Seine wissenschaftliche Arbeit zeichnete sich durch breites Interesse, Vielseitigkeit und Offenheit aus. Unter seiner Leitung wuchs das Institut stetig und erweiterte sein Forschungsportfolio erheblich. Neben den etablierten Fachbereichen der Akustischen Phonetik, Psychoakustik und Vergleichenden Systematischen Musikwissenschaft entstanden neue Forschungsgruppen für Numerik sowie Mathematik und Signalverarbeitung. Besonders am Herzen lag ihm die Entwicklung interdisziplinärer Modelle und Methoden, insbesondere in der Psychoakustik sowie der Signalanalyse und Visualisierung.
Bereits in den frühen 1980er-Jahren erkannte Dr. Deutsch das Potenzial der aufkommenden Computertechnologie für die Forschung. Er initiierte die Entwicklung einer eigenen Software zur Signalverarbeitung (S_Tool, später STx), die in zahlreichen Disziplinen Anwendung fand – von der Psychoakustik über die Musik- und Sprachwissenschaft bis hin zur Zoologie und Lärmforschung im Bereich der numerischen Akustik.
Ein weiteres wichtiges Forschungsfeld war die Sprechererkennung. Als anerkannter Gutachter erlangte er national und international hohe Reputation in der forensischen Analyse von Tonaufnahmen für gerichtliche Verfahren.
Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit am Institut war Werner Deutsch als Dozent an der Universität Wien aktiv und prägte Generationen von Studierenden im Fach Psychoakustik. Seine Vorlesungen und persönlichen Gespräche inspirierten viele Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und führten zahlreiche Talente in die Forschung.
Mit mehr als 50 wissenschaftlichen Publikationen leistete er bedeutende Beiträge in den Bereichen Sprache und Musik, Sprechererkennung, digitale Signalverarbeitung, auditive Perzeption, Mensch-Maschine-Kommunikation sowie Geräuschanalyse und -resynthese. Zudem engagierte er sich in der Restaurierung historischer Aufnahmen sowie in der Entwicklung von digitalen Audio-Netzwerken und Desktop-Audio-Workstations.
Dr. Deutsch war nicht nur Wissenschaftler, sondern auch eine zentrale Figur in der internationalen Akustik-Community. Er war Gründungsmitglied der Austrian Section der Audio Engineering Society (AES) sowie Mitglied der IEEE, der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) und der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft (ÖPG). Zudem war er Vizepräsident der Österreichischen Akustischen Gesellschaft (AAA) und Vorstandsmitglied des Österreichischen Arbeitsrings für Lärmbekämpfung (ÖAL).
Dr. Werner A. Deutsch verstarb am 18. Jänner 2025 im 83. Lebensjahr.
Zur Ehrung seines Schaffens und zur Würdigung seiner wissenschaftlichen Errungenschaften verweisen wir auf die 2012 erschienene Festschrift zu Ehren von Werner Deutsch, die einen umfassenden Einblick in sein Lebenswerk bietet.