Limesforschungen - Legionslager Carnuntum


Bearbeiter: Ch. Gugl

Die ehemalige Limeskommission der ÖAW führte in den Jahren 1968–1977 in Kooperation mit dem Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) Ausgrabungen im Legionslager Carnuntum durch. Während die Keramik, die Kleinfunde und die Fundmünzen aus diesen Grabungen zwischen 1979 und 1987 veröffentlicht wurden, hat sich die Auswertung der Baubefunde aus verschiedenen Gründen jahrzehntelang hinausgezögert. Für die provinzialrömische Archäologie des mittleren Donauraums war dies eine auch international bemängelte Forschungslücke, denn für die Geschichte der römischen Militärgrenze an der Donau kommt dem Legionslager Carnuntum ein besonderer Stellenwert zu, umspannt die Baugeschichte des Carnuntiner Lagers doch einen Zeitraum, der vom Beginn des oberpannonischen Limes in spättiberisch-claudischer Zeit bis an dessen Ende im 5. Jahrhundert reichte.

Virtuelle Rekonstruktion der Kasernen und Verteidigungsanlagen in der östlichen praetentura des Carnuntiner Legionslagers (© 2006 M. Klein - http://www.limes.co.at

Ein Hauptziel des mittlerweile abgeschlossenen Projekts war die transparente Darstellung und Analyse der komplexen Bauabfolge in der praetentura-Ost, in der sich die wesentlichen Entwicklungslinien des Carnuntiner Legionslagers erkennen lassen. Ein zweiter Schwerpunkt lag auf dem Fundmaterial, wobei keine weitere Gesamtfundvorlage angestrebt wurde, sondern in Kooperation mit Helga Sedlmayer (ÖAI), Sabine Ladstätter (Institut für Kulturgeschichte der Antike, ÖAW), Martin Mosser (Stadtarchäologie Wien), Jirí Musil (Klassische Archäologie, Universität Prag) und Roman Sauer (Institut für Konservierungswissenschaften und Restaurierungstechnologie, Abteilung Archäometrie, Universität für Angewandte Kunst Wien) eine fragestellungsspezifische Vorlage stratifizierter Fundkontexte und ausgewählter Materialgattungen erfolgte. Dies diente nicht nur dazu, eine solide Grundlage für die chronologische Einordnung der sieben Bauperioden zu erarbeiten, sondern darauf aufbauend auch weiterführende kulturhistorische Fragestellungen zu beleuchten, wie z.B. die Nachnutzung des Lagerareals im 9./10. Jahrhundert und die damit zusammenhängenden Probleme der Siedlungskontinuität von der Spätantike zum Frühmittelalter.

Eine wichtige Ergänzung erfuhr diese Problematik durch die Einbeziehung eines östlich des Lagers gelegenen, in einer Sondage angeschnittenen Gräberfelds. Die anthropologische Auswertung der beigabenlosen Körpergräber, deren Datierung in das fortgeschrittene 9. oder 10. Jahrhundert mit Hilfe von 14C-Untersuchungen (VERA-Laboratorium des Instituts für Isotopenforschung und Kernphysik, Universität Wien) bestätigt werden konnte, übernahm Sylvia Kirchengast (Institut für Anthropologie, Universität Wien).