Keramikforschung Ephesos - Amphorenforschung I

Späthellenistisch-römische Amphoren aus Ephesos


FWF-Projekt Nr. P15198

Projektleitung: S. Ladstätter (ÖAI)

Bearbeiter: T. Bezeczky

Ziel des Projektes war eine wirtschaftsgeschichtliche Auswertung der späthellenistischen und römischen Amphoren aus Ephesos. Die Funde stammen aus Grabungen von der Tetragonos-Agora, dem Hanghaus 1 sowie dem Hanghaus 2 und datieren vom 2. Jh. v. Chr. bis in das 3. Jh. n. Chr. Die in den Amphoren transportierten Lebensmittel – wie Wein, Olivenöl, Meeresprodukte und Früchte – sind wichtige Belege für wirtschaftliche Beziehungen zwischen dem westlichen und östlichen Mittelmeerraum, aber auch für den Transfer von Koch- sowie Speisegewohnheiten. Als größte Stadt Kleinasiens spielte Ephesos sowohl bei der Produktion, beim Vertrieb als auch beim Konsum eine entscheidende Rolle. Die Metropole Asiens galt als Umschlagplatz für Waren unterschiedlichster Herkunftsregionen. In hellenistischer Zeit dominierten ostmediterrane Amphoren, die auf Rhodos, Kos, Knidos, Chios, Thasos, Ägypten und Kleinasien produziert wurden, während westliche Importe auf Einzelstücke beschränkt blieben. Ein vermehrter Zustrom aus Kampanien und dem Adriaraum ist dagegen ab dem 2. Jh. v. Chr. zu vermerken. Er korrespondiert mit dem verstärkten Auftreten von römischen Soldaten und Händlern in der Region. Ab augusteischer Zeit wird Ephesos auch mit Lebensmitteln (vor allem Olivenöl und Fischsauce) aus Spanien und Nordafrika beliefert.

Neben den verstärkten Importen ist allerdings auch eine Umstrukturierung der regionalen Produktionsformen zu beobachten. So nimmt die Bedeutung der ehemals wichtigen Zentren wie Rhodos, Kos und Chios kontinuierlich ab, ihre Rolle wird von anderen Regionen wie Kreta, Zypern oder Sizilien übernommen. Zahlreiche Amphoren können nach derzeitigem Forschungsstand nicht lokalisiert werden, entstammen jedoch auch ostmediterranen Zentren. Gleichzeitig ist auf eine verstärkte lokale Produktion hinzuweisen, die in erster Linie wohl den Weinbedarf der ansässigen Bevölkerung deckte, aber in zunehmendem Maß auch an Exportwirkung gewinnt

 Forschungsmethoden

 

          Methoden

 
  • Traditionelle Formtypologie
  • Epigraphik
  • EDV unterstützte Datenbank
  • Petrologische Analysen
 

 

 
  • Erstellung einer traditionellen Typologie
  • Epigraphik
  • EDV unterstützte Datenbank
  • Petrologische Analysen, mit besonderem Augenmerkauf die Bestimmung örtlich erzeugter Amphoren

 

Epigraphik

Mit der Hilfe der Amphorenstempel können auch einige wichtige Persönlichkeiten der römischen Mittel- und Oberschicht identifiziert werden. Zum Beispiel findet sich auf einer Obstamphore aus Kampanien (Typ Dressel 21-22) ein Stempel des Postu(mi) Curt(i) (POST.CVRT). Der Name M. Curtius Postumus ist wohlbekannt aus den damaligen Quellen, wird auch in den Briefen des berühmten Redners Cicero erwähnt. Cicero (pro fam. 13.69) merkt an, daß sein guter Freund Postumus ein Freigelassener namens C.Curtius Mithres besitzt, in dessen Haus in Ephesos er sich gern aufhält. Curtius Postumus hatte Besitzungen in Kampanien (Neapolis, Paestum) und Apulien, möglicherweise stammen die Wein- und Ölamphoren von dort. Seine Stempel kommen auf verschiedenen Amphorentypen und auch auf einer Tegula vor. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann behauptet werden, dass Postumus' Freigelassener, Mithres, als wirtschaftlicher Vertreter seines Herrn dessen Amphoren im Laufe des 1. Jhs. v. Chr. in Kleinasien verkaufte. Neben Ephesos kennen wir Amphoren des Curtius Postumus auch aus Ägypten und Süditalien, sie sind aber auch nördlich der Alpen bekannt, wie Funde aus Koblenz zeigen.

Fabric Dressel 21-22 Amphore
Stempel des Postumus Curtius

Datenbank

Die große Anzahl an Funden erforderte es, eine Bild- und Textdatenbank zu entwickeln, die eine schnelle und effektive Analyse der Funde ermöglicht. Die Anwendung wurde von Péter Hornung mit der Hilfe der Software "FileMaker Pro 5" und "ArchiCAD" entwickelt. Das Anforderungsprofil wurde nach archäologischen Kriterien von T. Bezeczky erstellt.
In dieser Datenbank sind die digitalen Aufnahmen der Funde, die wichtigsten typologischen und epigraphischen Daten (Stempel, Dipinti, Graffiti), bzw. die Mikrofotos (in 1:10 und 1:20 Verhältnis) der Amphorenmaterialien (Fabrics) zu finden.
Als Vergleichsmaterial sind Microfotos von Fundstücken aus italischen, spanischen und afrikanischen Werkstätten zu finden. Weiters sind in der Datenbank die technischen Daten der Ausgrabungen, die Fundumstände, der Fundkontext und die Liste aller weiterer Funde (Feinkeramik, Glas, Metall) gespeichert.

Petrologie

Um die Herkunft der Amphoren bestimmen zu können, wurden petrologische Untersuchungen durchgeführt. Die Amphoren aus Ephesos werden von Roman Sauer mit Hilfe von Schwermineral- und Dünnschliffuntersuchungen durchgeführt.
Für die Untersuchungen werden nach vorheriger Selektion Amphoren ausgewählt, die sich als charakteristisch für dieses Gebiet erweisen. Die Selektion wird mit Hilfe eines Stereomikroskops durchgeführt. In die Untersuchungen werden Amphoren aus Süditalien, Küstengebiete der Adria, Hispanien und der Ägäis einbezogen. 

Das Projekt wurde im Juni 2004 abgeschlossen, eine Publikation ist in Vorbereitung. 


Laecanius Projekt

 

Leitung/Durchführung: T. Bezeczky


Das Hauptziel des Projekts besteht aus petrologischen Untersuchungen und einer Publikation der in der Laecanius Werkstatt hergestellten Amphoren. Auf der Halbinsel Istrien in der Nähe von Pula, (im Dorf Fažana) wurden eine Amphorenwerkstatt und ein Brennofen der Laecanius Familie freigelegt, ebenso wurden auf der nah gelegenen Insel Brijuni drei Villen mit zahlreichen Dressel 6B Amphoren, versehen mit Laecanius Stempeln, gefunden. Die Beschreibung dieser Amphorenstempel und der Villen ist bereits publiziert, die Analysen der Amphoren sind noch im Gange.