Der Münzschatz von Beçin


Projektleitung: Rahmi Hüseyin Ünal (Ege Üniversitesi-Izmir), Fritz Krinzinger (ÖAW-ÖAI), Michael Alram (ÖAW-KHM) 

Koordination: Şule Pfeiffer-Taş (ÖAW)

Im Jahre 2000 wurde während der Forschungsarbeiten unter der Leitung von Prof.  ÜNAL in der Grabungsstätte Beçin/Milas ein Münzschatz gefunden, der mit einem Gesamtgewicht von ca. 30 kg als bisher größter Schatzfund in der Türkei gelten kann. 

Der Münzschatz beinhaltet ca. 60.000 osmanische Prägungen vom 16. Jh. bis zum Beginn des 17. Jh, großteils Akçes der Sultane Murad III (1574-1595), Mehmed III. (1595-1603) und Ahmed I. (1603-1617). Prägungen der Sultane Selim I. (1512-1520), Süleyman des Prächtigen (1520-1566), Selim II. (1566-1574) sowie der Khane auf der Kırım sind in geringen Zahlen vertreten. Dazu kommen 839 europäische Münzen (Enddatum ca. 1610) aus Österreich, Venedig, Spanien, Polen, Bayern und anderen Prägestätten, unter welchen auch eine Reihe interessanter zeitgenössischer Fälschungen anzutreffen sind. Ein Teil des Bestandes war durch ein Schadensfeuer zu Klumpen verschmolzen.   

Dieser Münzschatz ist eine wichtige Quelle zu den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und dem Osmanischen Reich vom 16. Jahrhundert bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Da bis jetzt kaum ein Münzschatz aus dieser Periode publiziert, und die Wirtschaftsgeschichte in diesem Zusammenhang nicht ausreichend untersucht ist, sind diese Forschungen von besonderem 

Mit dem Beginn des Projektes wurde eine präzise Methode für den Dokumentationsprozess der Reinigung und numismatischen Bearbeitung ausgearbeitet und eine Datenbank erstellt. Nach der Reinigung, die in der Restaurierungswerkstätte des österreichischen Grabungshauses in Ephesos durchgeführt wird, erfolgt die numismatische Aufnahme. Insgesamt wurden bisher ca. 39.000 islamische Prägungen und alle  europäische Münzen in die Datenbank aufgenommen. Der Abschluß dieser Arbeiten ist für 2004 geplant.  

In einer Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Wissenschaften und Technologien in der Kunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien und dem Marmara Research Center - TÜBITAK (The Scientific and Technical Research Council of Turkey) werden materialanalytische Untersuchungen durchgeführt, deren erste Ergebnisse schon vorliegen.

Für die Unterzeichnete spielt die Recherche zur Wirtschaftsgeschichte eine besondere Rolle. Parallel zur Sekundärliteratur sind die osmanischen Archivquellen von größtem Interesse. 

Zur Zeit werden die einschlägigen Informationen aus verschiedenen Quellen chronologisch und thematisch geordnet. Diese Aufzeichnungen beinhalten vor allem Informationen über einzelne Prägestätten, Prägebestimmungen und Verstöße gegen solche Gesetze, sowie über die Kurswerte von ausländischen Währungen und regionale Unterschiede. Die systematische Durchsicht der Archivkataloge im BOA (Istanbul) hat eine ganze Reihe von Belegen zu Münzstätten und Fälschungen erbracht, deren Interpretation zu weiterführenden Informationen führen wird.   (Ş. Pfeiffer-Taş)