
Wie bereits in den Jahren davor, vergibt das EUROfusion-Konsortium auch 2026 wieder Forschungsstipendien an talentierte Nachwuchswissenschaftler:innen aus ganz Europa, um ihre Karriereentwicklung im Bereich der Fusionsforschung zu fördern. Unter den neun Preisträger:innen des Bernard Bigot Researcher Grants 2026 befindet sich auch Lidija Radovanovic von der TU Wien.
Mit den Bernard Bigot Researcher Grants (ERG), benannt nach dem früheren Generaldirektor der ITER-Organisation, finanziert EUROfusion individuelle Forschungsprojekte von Post-Docs für zwei Jahre. Ziel der Stipendien ist es einerseits die Exzellenz und Karriereentwicklung von Forschenden, die bereits am Fusionsprogramm teilnehmen, zu fördern, und andererseits auch hochqualifizierte potenzielle Kandidat:innen von außerhalb der Fusionsforschung anzuziehen. Im Rahmen der Researcher Grants sollen innovative Ideen und Techniken entwickelt werden, um die EUROfusion Roadmap für Fusionsenergie voranzubringen.
Das Interesse an der Fusionsforschung und der daraus resultierende Wunsch sich näher mit diesem Thema auseinanderzusetzen wurden bei Lidija Radovanovic bereits im Bachelorstudium geweckt. Damals hörte sie in der Physik-Einführungsvorlesung das erste Mal von ITER. Seit 2017 ist sie Teil der Forschungsgruppe von Prof. Friedrich Aumayr an der TU Wien und mit dieser an EUROfusion beteiligt. Bereits im Rahmen ihrer Masterarbeit beschäftigte sie sich mit dem Small ELM Regime bei ASDEX Upgrade. Ihr Doktoratsstudium zum Thema „Exploring Pedestal Structure and Stability: Insight from Shaping and βpol Variations in ASDEX Upgrade” schloss sie erfolgreich im Frühjahr dieses Jahres ab.
Das Thema ihres ERG-Projektes mit dem Titel „Modelling the Pedestal in the Quasi-Continuous Exhaust Regime: Towards Predictive Understanding Across Devices” wird nun gewissermaßen eine Mischung aus ihrer Master- sowie ihrer PhD-Arbeit sein.
Zukünftige Tokamak-Reaktoren sollen im sogenannten „High-confinement Mode“ (H-Mode) betrieben werden. Damit wird ein sehr effizientes Betriebsregime bezeichnet, das eine deutliche Verbesserung des Energieeinschlusses im Plasma erzielt. Der H-Mode wird gekennzeichnet durch einen steilen Druckgradienten am Plasmarand, den sogenannten Pedestal. Dieser ist von entscheidender Bedeutung, da zum einen ein höherer Pedestal-Druck zur Steigerung der Fusionsleistung führen kann. Zum anderen können jedoch auch Plasmainstabilitäten, sogenannte ELMs („Edge localized modes“), verursacht werden. Dadurch kann es zu Energie- und Teilchenverlusten kommen und weiters zu Beschädigungen der Reaktorwand. Aus diesen Gründen sind ein gutes Verständnis, eine exakte Vorhersage sowie eine genaue Steuerung des Pedestals unerlässlich, wofür Modelle benötigt werden, mit denen man die Struktur des Pedestals gut erfassen kann. Trotz bedeutender Fortschritte bei der Modellierung von Pedestals gibt es jedoch einen deutlichen Mangel an speziellen Modellen zur Vorhersage von Pedestals in ELM-freien Regimen, wie z.B. dem sogenannten Quasi-Continuous-Exhaust-Regime (QCE). Das QCE ist ein Regime, mit dem sich größere und damit zerstörerische Instabilitäten verhindern lassen können. Im Rahmen ihres Projektes will sich Lidija Radovanovic diesem Thema widmen und ein Vorhersagemodell speziell für QCE-Pedestals entwickeln. Das ist v.a. für größere Fusionsanlagen wie ITER und DEMO von großer Bedeutung.
