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Zwischen Wettkampf und Kaiserkult. Die Agone von Side und den Städten Pamphyliens im Spannungsfeld imperialer Ideologie und lokaler Identität

Lecture by Lukas Jung | Karl-Franzens-Universität Graz, Institut für Antike

Monday 27.04.2026 04:04 pm
»Marmorsaal« (»Kaisersaal«) des sog. Gebäudes M in Side (Foto: Lukas Jung, Okt. 2025)

Die kaiserzeitliche Agonistik Pamphyliens bildet eines der aufschlussreichsten Zeugnisse für die komplexen Wechselwirkungen zwischen römischer Herrschaft und lokaler Eigenprofilierung im östlichen Mittelmeerraum. Der Vortrag untersucht, auf welche Weise agonale Festkultur, Kaiserkult und die Repräsentationsstrategien der städtischen Eliten miteinander verflochten waren und wie sich diese Verflechtungen im urbanen Raum der pamphylischen Städte – allen voran Side – in Architektur und Skulptur niederschlugen.

Als zentrale Analyseobjekte dienen die großen Unterhaltungs- und Repräsentationsbauten der Region, namentlich Theater, Stadien und Thermen-Gymnasien. Diese fungierten nicht allein als funktionale Räume für Festbetrieb und kultische Praxis, sondern als genuine Orte kollektiver Identitätsbildung, an denen Hierarchien sichtbar gemacht, kulturelle Werte bekräftigt und politische Loyalitäten demonstriert wurden. Unter diesen Anlagen nehmen die Thermen-Gymnasien eine besondere Stellung ein: Ihr »Marmorsaal« (»Kaisersaal«), der am Beispiel des sog. Gebäudes M in Side eingehend analysiert wird, lässt durch seine architektonische Konzeption und reiche statuarische Ausstattung eine dichte Überlagerung agonaler, kultischer und politischer Bedeutungsebenen erkennen und erweist sich damit als paradigmatischer Ort imperialer wie städtischer Repräsentation. Ergänzend treten Ehrenmonumente wie Nymphaea und Prunktore als charakteristische Schnittstellen zwischen imperialer Repräsentation und dem Selbstbild der Polis in den Blick.

Über die Architekturbefunde hinaus macht die Untersuchung ihrer Bildprogramme deutlich, dass diese einem präzisen semantischen Kalkül folgten: Marmorstatuen von Athleten, Göttern, Kaisern und lokalen Honoratioren wurden in ein kohärentes symbolisches Gefüge integriert, das griechische Tradition und römische Herrschaft gleichermaßen widerspiegelte und damit eine aktualisierte Form städtischer Identität hervorbrachte, die auf kultureller Kontinuität wie auf politischer Loyalität gründete. Agonistik und Kaiserkult erweisen sich als tragende Säulen einer städtischen Selbstdarstellung, die im Kontext der Zweiten Sophistik und des ausgeprägten interurbanen Wettbewerbs ihre spezifische Ausprägung gewann.

Der Vortrag präsentiert die zentralen Ergebnisse aus Lukas Jungs Dissertation, die im Rahmen des Internationalen Graduiertenkollegs »Resonante Weltbeziehungen in sozio-religiösen Praktiken in Antike und Gegenwart« an der Universität Graz und am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt entstanden ist.

Information

 

Date

April 27, 2026 4:00 PM CEST

Location

  •  Otto Wagner Postsparkasse, Georg-Coch-Platz 2, 1010 Wien, Seminar Room 8+9, 5th floor

Organiser

  • OeAW-OeAI

Contact

Jana Obernberger

 

Invitation