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Ex archivis lux!

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Wednesday 26.11.2025 05:11 pm
Funde von Idria pri Bača (heute Idrija, Slowenien), die ebenfalls Gegenstand der Restitutionsverhandlungen waren.

Ein Abend zur Forschungsgeschichte Prähistorie mit Karina Grömer und Brigitta Mader

Karina Grömer gibt eine Einführung in das Fundaktenaktiv der Prähistorischen Abteilung am NHM und Brigitta Mader hält einen Vortrag über die Resultate ihrer Forschungen zu den Restitutionsforderungen Italiens an Österreich nach dem I. Weltkrieg und deren Folgen für die Prähistorische Sammlung des NHM.

Karina Grömer (abstract)

Der Beitrag beschäftigt sich mit den Sammlungen der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums und wie, historisch gesehen, die Sammlungen zustande kamen. Welche Funde und auch Akten- bzw. Archivmaterialien werden am NHM/PA aufbewahrt, wie werden sie kuratiert (incl. Digitalisierungsoffensiven).

Brigitta Mader (abstract)

Ein bisher unbeachtet gebliebenes Kapitel der prähistorischen Forschungsgeschichte betrifft die Problematik der Restitutionsforderungen im Zuge der Friedensverhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg, aus dem Österreich als Rechtsnachfolger der aufgelösten Habsburgermonarchie hervorging und somit auch den Ansprüchen der Siegermächte und Nachfolgestaaten zu entsprechen hatte. Ein Punkt in den Friedensverhandlungen von St. Germain-en-Laye betraf das kulturelle Erbe, insbesondere das beweglichen Kulturgut, das im Laufe der Geschichte in den Besitz des Kaiserhauses gekommen war und in privaten wie öffentlichen Sammlungen, Museen, Bibliotheken oder Archiven verwahrt wurde. Ein besonders restriktives Verhalten  gegenüber Österreich legte dabei Italien an den Tag. Obwohl sich in der endgültigen Fassung des Staatsvertrages acht Artikel auf die Behandlung beweglichen Kulturgutes beziehen, waren mit dessen Unterzeichnung im September 1919 keineswegs alle Fragen zur Restitution gelöst. Ein österreichisch-italienischer Ausgleich war unausweichlich und führte schließlich erst nach langen und schwierigen Verhandlungen im Mai 1920 zum Abschluss eines „Sonderabkommens mit Italien über den Kunstbesitz“, das die Auslegung und Durchfüh­rung der Artikel 191–196 des Friedensvertrages von St.- Germain-en-Laye zwischen der Republik Österreich und dem Königreich Italien endgültig regeln sollte. Im Rahmen dieses Sonderabkommens wurde erstmals auch über prähistorisches Fundmaterial verhandelt. Betroffen waren vor allem Objekte aus Grabungen, die während der Monarchie von österreichischen Institutionen (NHM, PK, ZK, AG) finanziert und im ehemaligen k.k. Küstenland durchgeführt wurden, das infolge der veränderten geopolitischen Verhältnisse und neuer Grenzziehungen nunmehr dem Königreich Italien angehörte.

Der Vortrag rekonstruiert anhand von Archivmaterial aus Österreich und Italien die bewegte von Irredentismus und Nationalismus beherrschte Geschichte der italienischen Restitutionsansprüche auf prähistorisches Fundgut aus den Sammlungen des NHMs – darunter Material der berühmten, heute in Slowenien liegenden Fundstätten von Santa Lucia bei Tolmein (Most na Soči), Idria bei Bača (Idrija pri Bači) oder der Fliegenhöhle bei Dane (Mušja jama). Die Verhandlungen zwischen dem für Italien (Region Giulia) verantwortlichen Archäologen und Direktor des Triester Antikenmuseums Piero Sticotti (1870-1953) und den um die wissenschaftliche Integrität der prähistorischen Sammlungen am Naturhistorischen Museum in Wien bemühten Direktoren Josef Szombathy (1853-1943) und Josef Bayer (1882-1931), sowie das im  Februar 1921 getroffene Abkommen und der Verbleib des abgetretenen Fundmaterials werden unter Einbezug des historischen Forschungsstands der Prähistorischen Archäologie und der im österreichischen Küstenland um die Wende vom 19. Zum 20. Jh. zunehmenden Nationalitätenkonflikte und daraus resultierenden kulturellen Auswirkungen behandelt.  

Anlass zu diesem Vortrag ist nicht zuletzt das Erscheinen einer im Frühsommer vom slowenischen Verlag ANNALES herausgegebenen Monographie zum Thema Restitution, in dem die Problematik bzw. die Geschehnisse vom kunsthistorischen und prähistorischen Standpunkt behandelt werden:

Salvator Žitkound Brigitta Mader, Med Benetkami in Dunajem (Zwischen Venedig und Wien), Založba Annales, Koper – Capodistria 2025.

Information

 

Date

November 26, 2025, 5:30 p.m. CET

Location
  • Otto Wagner Postsparkasse, Georg-Coch-Platz 2, 1010 Vienna, Seminar Room 1, 3rd Floor
  • Zoom
    Meeting-ID:673 2725 9021, Kenncode: 7D4bsP
Organiser

OeAW-OeAI

Contact

Xenia Milota


Invitation