Ephesos – Hanghaus 1


Mit Ausnahme der Taberne III, die 1956 bereits von Franz Miltner angeschnitten wurde, wurde das H 1 von 1960 bis 1967 unter Fritz Eichler und Hermann Vetters freigelegt, Nachgrabungen fanden zwischen 1990 und 1994 statt.

Das H 1 ist ein Häuserblock mit einer trapezförmigen Grundfläche von ca. 3000 m² (Abb. 1). Nachdem die hellenistische Bebauung, darunter ein großes, mehrgeschossiges Peristylhaus, in der frühen Kaiserzeit zerstört worden war, wurden ca. 70–90 Jahre danach auf dem Areal des H 1 Peristylhäuser errichtet. Aus dem Baubefund noch nachweisbar sind die Domus, die einen Großteil der Fläche des Häuserblocks einnimmt, und die WE 3 im Südosten. Während die Errichtung der Domus in die ersten beiden Jahrzehnte des 2. Jhs. n. Chr. datiert werden kann, ist jene der WE 2 und der anderen baulichen Strukturen des H 1 nicht präzisierbar. Das H 1 ist ein Häuserblock mit einer trapezförmigen Grundfläche von ca. 3000m2 (Abb. 1.2.).

Abb. 1: Grundrißplan des H 1
Abb. 2: H 1 nach der Freilegung; die Grabungen in H 2 standen erst am Beginn

Das Erdbeben im 3. Viertel des 3. Jhs. n. Chr. richtete auch im H 1 große Zerstörungen an. Während die elitäre Wohnnutzung im H 2 nach diesem Ereignis jedoch gänzlich aufgegeben wurde, verwendete man kleinere Bereiche des H 1 auch weiterhin für Wohnzwecke, wovon z. B. spätantike Wandmalereien in den Räumen B und SR 2 zeugen. Die Domus ist ein großes mehrgeschossiges Peristylhaus mit einer Grundfläche von etwa 1400 m², sie überbaute das zuvor im südlichen Areal des H 1 existierende späthellenistische Peristylhaus. Während ein Zugang von der STG 1 in das kleinere Peristyl im Süden führte, befand sich im Nordwesten ein großes Stiegenhaus, das an die Kuretenstrasse angebunden war. Über letzteres gelangte man auf die Erdgeschossebene, wo man den Westumgang des großen Peristylhofs betrat. Die Domus hatte zumindest zwei Geschosse und könnte im Osten die als WE 2 bezeichnete Fläche miteingeschlossen haben. Das Erdgeschoss der Domus war über zwei Peristylhöfe organisiert, einen größeren mit zwei Umgängen und einen kleineren viersäuligen im rückwärtigen Bereich des Hauses. 

Um letzteren waren große Räume gruppiert, die mit marmornen Fußböden und Wandinkrustationen sowie mit Wasserspielen, Marmor- und Bronzeskulpturen und weiterem Mobiliar aus exklusivem Material äußerst prächtig ausgestattet waren (Abb. 3). Während diese Abschnitte der Domus als Empfangsbereiche anzusprechen sind, können sich die hauswirtschaftlichen und privateren Bereiche im Obergeschoss und auf der Fläche der WE 2 befunden haben. Die von den anderen Wohneinheiten des H 1 abweichende Orientierung der Domus auf die Kuretenstrasse und auf die in derselben Periode entstandenen Bauten des Hadrianstempels und des Variusbads könnte durch ein und denselben Bauherrn zu erklären sein. Der Stifter des Tempels und der öffentlichen Badeanlage war der aus der römischen tribus Galeria stammende Publius Quintilius Valens Varius, der in der Domus seine städtische Familienresidenz verwirklicht haben könnte. 

Abb. 3: Porträt einer Frau spätseverischer Zeit aus der Domus im H 1

In einer Umbauphase im mittleren 2. Jh. n. Chr. wurde der Eingang von der STG 1 etwas nach Norden verlegt, so dass er nun in die Südhalle des großen Peristyls führte. Auf der Fläche des alten Eingangs wurde ein großes Treppenhaus erbaut, das vom Südumgang zu betreten war und ins Obergeschoss führte. Ferner wurde in dieser Bauphase die Anzahl der Empfangsräume am kleineren Peristyl um einen Raum (SR2) vergrößert, der zwei Apsiden hat und ebenso prunkvoll ausgestattet war wie seine Nachbarräume. Die Umbauten betrafen aber auch den großen Peristylhof, den man nun in einen drei- (Hallen an der West-, Ost- und Südseite) oder sogar vierseitigen Hof umgebaut hatte.