Das neue ITA-Dossier fragt, wie gentechnische Veränderung von Tieren, Algen und Mikroorganismen in den letzten zehn Jahren von europäischen Technikfolgenabschätzungseinrichtungen diskutiert wurde. Im Gegensatz zu Gentechnik an Pflanzen in der Landwirtschaft („Grüne Gentechnik“) und Gentechnik in der Humanmedizin („Rote Gentechnik“) werden diese Organismengruppen nämlich relativ wenig und selten in den Blick genommen.
„Gentechnisch veränderte Tiere werden vor allem im biomedizinischen thematisiert, wenn es etwa um die Bereitstellung tierischer Organe für die Transplantationsmedizin geht. Tatsächlich ist aber auch der Einsatz in der Nahrungsmittelproduktion relevant. Zuchtlinien können mit neuen gentechnischen Verfahren noch produktiver und resistenter gegen Krankheiten gemacht werden“, berichtet Karen Kastenhofer, Senior Scientist am Institute für Technikfolgen-Abschätzung der ÖAW. Auch können Nutztiere an Haltungsbedingungen und Klimawandel angepasst werden, etwa über Hornlosigkeit oder Kurzfelligkeit bei Rindern.
Der Einsatzbereich gentechnisch modifizierter Mikroorganismen wird ebenfalls immer breiter. Vor allem die Produktion sogenannter Biotreibstoffe wird vor dem Hintergrund klimapolitischer Zielsetzungen wie Emissionsreduktion und Energiewende immer attraktiver.
Um solche Innovationen verantwortlich, demokratisch und für alle Betroffenen akzeptabel zu gestalten, fehlt es aber noch an Kommunikation, Austausch und Auseinandersetzung, ist Kastenhofer überzeugt. "Wesentlich ist dabei, dass man sich bemüht, so viele Bewertungsdimensionen, Perspektiven und Öffentlichkeiten mitzunehmen wie möglich", so Kastenhofer. Ansätze wie Risikobewertung, Nachhaltigkeitsbewertung und Technikfolgenabschätzung sind vielversprechend, auch hier hat sich einiges weiterentwickelt. Der öffentliche Dialog ist aber ebenso unverzichtbar, "und zwar am besten bevor sich wechselseitiges Misstrauen und unüberwindbare Fronten gebildet haben", betont Kastenhofer.
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ITA-Dossier Nr. 85 "Genom-editierte Tiere und Mikro-Organismen"
ITA-Projekt "Neue Anwendungen von Gentechnik bei Tieren, Algen und Mikroorganismen"
