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Was tut sich in der Gentechnik bei Tieren und Mikroorganismen?

Vor einigen Jahren schlug die Entdeckung der Gen-Schere CRISPR/Cas hohe Wellen. Seither haben sich technische Möglichkeiten und wissenschaftliche Expertise rasant weiterentwickelt. Heute können gentechnisch modifizierte Organismen für fast alles konzipiert werden: In der Lebensmittelindustrie, zur Treibstoffherstellung, zur Insektenkontrolle – wo aber bleibt die öffentliche Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Bedeutung dieser Technologie? Ein neues ITA-Dossier berichtet mehr zum Stand der Debatte.

18.12.2025
Algen in Freilandzuchtteichen, USA (Bild: flickr / PNNL)

Das neue ITA-Dossier fragt, wie gentechnische Veränderung von Tieren, Algen und Mikroorganismen in den letzten zehn Jahren von europäischen Technikfolgenabschätzungseinrichtungen diskutiert wurde. Im Gegensatz zu Gentechnik an Pflanzen in der Landwirtschaft („Grüne Gentechnik“) und Gentechnik in der Humanmedizin („Rote Gentechnik“) werden diese Organismengruppen nämlich relativ wenig und selten in den Blick genommen.

„Gentechnisch veränderte Tiere werden vor allem im biomedizinischen thematisiert, wenn es etwa um die Bereitstellung tierischer Organe für die Transplantationsmedizin geht. Tatsächlich ist aber auch der Einsatz in der Nahrungsmittelproduktion relevant. Zuchtlinien können mit neuen gentechnischen Verfahren noch produktiver und resistenter gegen Krankheiten gemacht werden“, berichtet Karen Kastenhofer, Senior Scientist am Institute für Technikfolgen-Abschätzung der ÖAW. Auch können Nutztiere an Haltungsbedingungen und Klimawandel angepasst werden, etwa über Hornlosigkeit oder Kurzfelligkeit bei Rindern.

Der Einsatzbereich gentechnisch modifizierter Mikroorganismen wird ebenfalls immer breiter. Vor allem die Produktion sogenannter Biotreibstoffe wird vor dem Hintergrund klimapolitischer Zielsetzungen wie Emissionsreduktion und Energiewende immer attraktiver.

Um solche Innovationen verantwortlich, demokratisch und  für alle Betroffenen akzeptabel zu gestalten, fehlt es aber noch an Kommunikation, Austausch und Auseinandersetzung, ist Kastenhofer überzeugt. "Wesentlich ist dabei, dass man sich bemüht, so viele Bewertungsdimensionen, Perspektiven und Öffentlichkeiten mitzunehmen wie möglich", so Kastenhofer. Ansätze wie Risikobewertung, Nachhaltigkeitsbewertung und Technikfolgenabschätzung sind vielversprechend, auch hier hat sich einiges weiterentwickelt. Der öffentliche Dialog ist aber ebenso unverzichtbar, "und zwar am besten bevor sich wechselseitiges Misstrauen und unüberwindbare Fronten gebildet haben", betont Kastenhofer.

Links

ITA-Dossier Nr. 85 "Genom-editierte Tiere und Mikro-Organismen"

ITA-Projekt "Neue Anwendungen von Gentechnik bei Tieren, Algen und Mikroorganismen"