Neues Projekt „BIASED EAR“ untersucht, wie das Gehirn sich beim Lokalisieren von Schallquellen anpasst
24.10.2025
Ein neues Forschungsprojekt am Institut für Schallforschung, geleitet von David Meijer, befasst sich mit genau diesen Wahrnehmungsverzerrungen. Das Projekt BIASED EAR – Bayesian Inference and Adaptive Sensing in Engaged Directional hEARing wird vom Wissenschaftsfonds FWF gefördert und läuft von Februar 2026 bis Dezember 2029.
Das Projekt untersucht, warum Hörer:innen Geräusche manchmal näher oder weiter von der Mitte wahrnehmen, als sie tatsächlich sind, und wie diese Wahrnehmungen von den Richtungen vorheriger Geräusche beeinflusst werden. Anstatt solche Abweichungen als Fehler zu betrachten, geht BIASED EAR davon aus, dass sie die Anpassungsstrategien des Gehirns widerspiegeln, mit denen es sich in komplexen und sich ständig verändernden akustischen Umgebungen orientiert.
Durch die Kombination von Computermodellen und gezielten Laborexperimenten will das Forschungsteam um Meijer aufzeigen, wie das Gehirn Sinnesinformationen und Erwartungen miteinander verknüpft, um wahrnehmungsbezogene Stabilität zu bewahren, während es sich gleichzeitig an neue Schallquellen anpasst. Die Forschung knüpft an Erkenntnisse aus der visuellen Wahrnehmungsforschung an und soll ein besseres Verständnis dafür liefern, wie räumliches Hören und Kognition beim aktiven Zuhören zusammenwirken.
Letztlich zielt BIASED EAR darauf ab, die neuronalen Mechanismen besser zu verstehen, die es Menschen ermöglichen, sich in einer unsicheren und lauten Umgebung zu orientieren und effektiv auf Schall zu reagieren – selbst dann, wenn die Einschätzungen des Gehirns "verzerrt" sind.