Organisation: Univ.-Prof. Dr. Melanie Malzahn / Clemens Steinwender, BA MA

Date and Place: 25th of September, Jura-Soyfer Saal in the Hofburg in Vienna, 1010 Vienna

Moderation: Clemens Steinwender

Program

Beginning: 09:00 – 09:15:

Introduction and Thanks to the Cluster

09:15 – 10:00:

Felix Kloos/Viktoria Reiter: Virtual map of the Expedition and introduction of visited places

10:00 – 10:30:

Hannes Fellner: Grammar at the Crossroads: Grammatical Traditions of the Tarim Basin

10:30 – 10:45:

Coffee Break

10:45 – 11:15:

Photos from the Expedition by Clemens Steinwender and discussion of Chinese Museums and their presentation of Tarim Basin History

11:15 – 12:00:

Bernhard Palme: Plates of Wood as Sources in Comparison between Chinese and Roman Empires

12:00 – 13:30:

Lunch Break

13:30 – 14:00:

Melanie Malzahn: A Tocharian Text directly from the Urumqui Museum

14:00 – 14:30:

Maksim Vyzhlakov: 4TB: a parallel Tocharian A - Old Uyghur text corpus

14:30 – 15:00:

Lukas Wurth: A Solar Thermal Power Station spotted during our travels

15:00 – 16:00:

Presentation of the Posters and planned papers from Participants and Discussion of the Expedition with Coffee and Sweets

 

Link: Tarim Expedition 2026

 

Blog post about the Tarim Expedition by Sandra Wabnitz (german)

Die Tarim Expedition: Eine Reise entlang der östlichen Seidenstraße by Sandra Wabnitz

Am 31. März 2026 war es endlich so weit. Erwartungsvoll bestieg ich zusammen mit 25 weiteren Wissenschaftler:innen das Flugzeug von Wien nach Peking. Unsere Gruppe umfasste Studierende und Wissenschaftler:innen verschiedener Forschungsrichtungen, u.a. den Sprachwissenschaften, der Tibet- und Buddhismuskunde, der Geschichte, der Archäologie und der Byzantinistik. Uns alle verband unser Forschungsinteresse an der Region Zentralasien beziehungsweise an der Seidenstraße, dem etwa 6400 km langen Netzwerk aus Handelswegen, das sich in der Antike und dem Mittelalter über den eurasischen Kontinent erstreckte. Die 14tägige Exkursion, die vom Cluster of Excellence EurAsia organisiert wurde, sollte uns von Peking aus zu den berühmten Knotenpunkten, faszinierenden Denkmälern und religiösen Stätten sowie atemberaubenden Landschaften entlang der ehemaligen östlichen Seidenstraße führen. 

 

Peking

Am Flughafen in Peking wartete schon unser Reiseführer auf uns. Nach einem schnellen Flughafen-Kaffee und Frühstück, ging es auch schon weiter zum Tiananmen-Platz und der anschließenden Besichtigung der berühmten Verbotenen Stadt. In den nächsten zwei Tagen unseres Aufenthalts in der Hauptstadt besuchten wir mehrere Museen, unter anderem das Archäologische Museum mit über 6.000 Objekten. Bevor es wieder zum Flughafen ging, durfte der Besuch des Abschnitts der Chinesischen Mauer, der in der Ming-Dynastie (1386-1644) erbaut wurde, nicht fehlen.

 

Dunhuang 

Nach den ersten interessanten Eindrücken der Kulturschätze in Peking führte uns unsere Expedition in die rund 2200 km nordwestlich gelegene Oasenstadt Dunhuang in der heutigen Provinz Gansu. Die Stadt am Rand der Taklamakan Wüste war dank ihrer Lage einer der bedeutendsten Knotenpunkte der ehemaligen östlichen Seidenstraße: Dunhuang lag am Schnittpunkt dreier Hauptverkehrsstraßen, die Ostasien mit Zentralasien und dem Westen verbanden. Dies führte auch dazu, dass verschiedene Kulturen, Sprachen und Religionen aufeinandertrafen. Die Multikulturalität der Oasenstadt spiegelt sich in den Mogao Grotten, einem zwischen dem 4. und 14. Jahrhundert errichteten Komplex aus mehreren hundert buddhistischen Höhlentempeln wider, der die verschiedenen Kunstrichtungen, Kulturen und Religionsströmungen vereint. Während der Besichtigung einzelner ausgewählter Höhlen, machten uns die Spezialist:innen unserer Gruppe auf die verschiedenen Kunstrichtungen Aufmerksam und erklärten uns die Bedeutung der buddhistischen Wandmalereien. Mein persönliches Highlight war Höhle 17 der Mogao-Grotten, auch bekannt als „Bibliothekshöhle“: in der kleinen und recht unscheinbaren Seitenhöhle wurden nämlich im Juni 1900 rund 60.000 Handschriften gefunden, die zwischen dem 5. und 11. Jahrhundert entstanden sind. Neben verschiedenen religiösen Schriften (u.a. buddhistische, manichäische, nestorianisch-christliche und hebräische Texte), umfasst der Fund auch eine Vielzahl an säkularen Texten, zu denen Briefe, Verwaltungsdokumente und Rechnungsbücher zählen, die uns einen Einblick in den Alltag des multikulturellen Dunhuangs gewähren. Während unseres Aufenthalts stand neben der Besichtigung der Mogao-Grotten auch der Besuch eines weiteren Abschnittes der Chinesischen Mauer auf dem Programm. Neben den Überresten des Danggu Signalfeuerturms und der Großen Fangpang Burg, einem Vorrats- und Waffenlager, ist dieser Abschnitt der Chinesischen Mauer eines der Zeugnisse der westlichen Expansionspolitik der Frühen Han-Dynastie (207 v. Chr.-9 n. Chr.). Der Zweck der Mauer beschränkte sich jedoch nicht allein auf die Abwehr der Feinde aus der eurasischen Steppe, sondern bot unter anderem die Möglichkeit nomadische Gruppen, die zu den Handelsplätzen reisten, zu besteuern. Den letzten Vormittag unseres rund dreitägigen Aufenthalts in Dunhuang verbrachten wir am Mondsichelsee inmitten der Singenden Sanddünen, die, wie der Name schon verrät, „singen“ wenn der Wind hindurchweht. Danach ging es mit dem Bus nach Liuyuan, von wo wir mit dem Hochgeschwindigkeitszug in nur 3,5 Stunden in das 633 km entfernte Turpan gelangten.

 

Turpan

Das umfangreiche Programm der nächsten Tage in und um Turpan, einer Oasenstadt in der heutigen Autonomen Region Xinjiang, umfasste die Besichtigung des vollständig aus Lehmziegel erbauten Emin-Minaretts (1777-1778) und der im 2. Jahrhundert v. Chr. erbauten Lehmstadt von Jiaohe. Die Tausend-Buddha-Grotten von Bezeklik, die zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert entstanden sind, standen auch auf dem Programm. Der Name dieser Höhlen leitet sich von einem wiederkehrenden Motiv in der buddhistischen Wandmalerei ab, das eine Vielzahl kleiner Buddhas im Lotussitz darstellt. Im Gegensatz zu den von Tourist:innen überschwemmten Mogao-Grotten waren wir hier die einzigen Besucher:innen, was uns die Möglichkeit bot die einzelnen Höhlen und Wandmalereien ungestört zu betrachten. Trotz der Zerstörung, die auf religiöse Umschwünge oder Plünderungen im Laufe der Jahrhunderte zurückzuführen ist, sieht man noch die Schönheit und das Detailreichtum der buddhistischen Wandmalereien. In der Höhle 16 befindet sich beispielsweise eine realistische Musikszene: sie zeigt Musiker verschiedener Ethnien mit diversen Blas-, Saiten- und Schlaginstrumenten. Auf dem Weg zu einem weiteren buddhistischen Höhlenkomplex, den im 5. Jahrhundert entstandenen Tuyugou Grotten, passierten wir das ‚Kulturdorf‘ Tuyugou, wo wir verschiedenste Nusssorten, unter anderem eine Walnuss, mit einem Eigengeschmack nach Schokolade sowie örtliche Datteln und Rosinen probierten. Die Gegend um die Stadt Turpan ist vor allem für seine Rosinen, die in den speziellen Lehmtrockenhäusern produziert werden, und für seinen traditionellen Weinbau bekannt. Zur Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen wird zum Teil noch das traditionelle Karez-System verwendet, das Schmelzwasser vom Tianshan Gebirge in die Oasenstadt leitet. Der Bau des, innerhalb des Tarim Becken einzigartigen, unterirdischen Brunnensystems wird im Karez Museum in Turpan veranschaulicht: die einzelnen Abschnitte des Kanals, welche manuell angelegt wurden, mussten exakt übereinstimmen und ein bestimmtes Gefälle aufweisen.

 

Kuqa

Unser nächster Halt in Xinjiang war die Stadt Kuqa, die wir nach einer siebenstündigen Zugreise von Turpan aus erreichten. Aus dieser Region stammte der berühmte Mönch und Übersetzer Kumārajīva (344-413 n. Ch.), dessen Übersetzungen buddhistischer Schriften aus dem Sanskrit die buddhistischen Lehren in China verbreiteten. Es ist also kaum überraschend, dass wir in Kuqa auf mehrere seiner Statuen stießen. Eine befand sich am Treppenaufgang zu den Kizil-Grotten, einem im 4. Jahrhundert n. Chr. entstandenen buddhistischen Felsenhöhlenkomplex. Hier erläuterten uns die Spezialist:innen aus der Tibet- und Buddhismuskunde die Abbildungen verschiedener Jātakas (moralisch lehrreiche Geschichten aus dem Leben Buddhas). Bei näherer Betrachtung dieser Wandmalereien, fanden wir in manchen eine kleine Beschriftung, die uns die Sprachwissenschaflter:innen übersetzten: es handelte sich dabei um die Farbbezeichnung auf Tocharisch, einer Sprache, die im Gebiet des heutigen Xinjiangs gesprochen wurde und welche um 1000 n. Chr. ausgestorben ist. Während unseres Aufenthalts in Kuqa erkundeten wir zudem den beeindruckenden Grand Canyon des Tianshan-Gebirges und besichtigten den Kizilgaha Signalfeuerturm, den am besten erhaltenen Wachturm entlang der Seidenstraße, sowie die beeindruckenden Ruinen des im 1. Jahrhundert n. Chr. erbauten Subashi Tempels, die bisher größte gefundene buddhistischen Klosteranlagen in Xinjiang.

 

Ürümqi

Wir verbrachten nur rund zwei Tage in Kuqa bevor es weiter nach Ürümqi, der Hauptstadt Xinjiangs, ging. Trotz unseres kurzen Aufenthalts in Ürümqi hatten wir noch Zeit für einen Besuch des Xinjiang Museums, das die berühmten, etwa 4000 Jahre alten Mumien aus dem Tarimbecken beherbergte, und einen Spaziergang durch den vielbesuchten Bazar. Am nächsten Tag traten wir unsere Rückreise über Peking nach Wien an und langten somit am Ende unserer 14tägigen Exkursion entlang der ehemaligen östlichen Seidenstraße an. Die Tarim Expedition war für mich als Doktorandin, die sich mit dieser Region beschäftigt, eine einmalige, lehrreiche und überaus anregende Studienreise, die viele neue Eindrücke hinterließ und zusammen mit dem ergiebigen Austausch mit den anderen Teilnehmenden meine eigenen wissenschaftlichen Kenntnisse und Forschung bereicherte.

 

There will be refreshments and we would be grateful if you could register under the following link so that we can plan accordingly:

https://calendar.online/event_registration

Programme download:

Workshop Programme (PDF)