Im üblichen Standardmodell der Teilchenphysik gibt es nur ein einziges Higgs-Teilchen, das für die Erzeugung der Masse verantwortlich ist. Das ist aber nur ein möglicher Ansatz. Für den Fall, dass die Natur kompliziertere, aber durchaus mögliche, Szenarien realisiert hat, könnte die Suche noch weitere Jahre dauern. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass überhaupt kein Higgs-Boson existiert: So ein Widerspruch zwischen der Erwartung und der Beobachtung wäre ein Hinweis auf vollkommen neue Phänomene. Mit den Worten des Nobelpreisträgers: Wenn das auch jetzt so ist, wird ein junger Physiker - heute unbekannt, aber morgen berühmt - es für uns finden.
Die Suche nach dem Higgs-Boson ist auch eines der Ziele des CMS Experiments am LHC (Large Hadron Collider). Der Stand der Suche wurde im Rahmen von internationalen Konferenzen im Sommer dieses Jahres diskutiert. In einem Großteil des Massenbereichs zwischen 145 und 400 GeV/c2 - das entspricht ungefähr dem 150 bis 420-fachem der Protonenmasse - kann man die Existenz dieses Teilchen schon ausschließen. Damit bleibt im Wesentlichen ein Massenbereich zwischen 145 GeV/c2 und der bestehenden experimentellen unteren Grenze von 114 GeV/c2 offen. Dies ist genau der Bereich, der durch experimentelle Hinweise als der wahrscheinlichste gilt. Er ist aber experimentell besonders schwierig, da sich nur ein sehr kleiner Teil der Zerfälle klar von Untergrundprozessen unterscheiden lässt. Den Experimentatoren hilft dabei die ausgezeichnete Funktionsweise des LHC mit ständig steigenden Kollisionsraten. Die sogenannte integrierte Luminosität, eine Messgröße der gesamten erzeugten Zahl von Kollisionen, hat einen Wert von 4.23 inversen Femtobarn erreicht und entspricht einer Gesamtzahl von ca. 4*1014 Kollisionen. Man kann damit rechnen, dass die beiden großen Experimente ATLAS und CMS heuer insgesamt bis zu 10 inverse Femtobarn Daten nehmen werden, entsprechend nahezu 1015Kollisionen beobachten werden.
Für endgültige Aussagen werden noch weitere Analysen und Daten nötig sein. Dennoch scheint der Moment, in dem die Suche nach dem Standardmodell Higgs-Boson abgeschlossen werden kann, näher zu rücken: das Resultat wird eine Entdeckung des Teilchens oder der Nachweis seiner Nichtexistenz sein.