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Larven als Pflanzenschutz? Zusammenstöße im All? – neuer ITA-Bericht für das Parlament

Quantensensoren, Demenz-Vorsorge, Bio- statt künstlicher Pestizide, Deskilling durch KI, neue Technologien gegen chronische Schmerzen und eine durch Satelliten und Weltraummüll restlos überfüllte Erdumlaufbahn – das sind die sechs Zukunftsthemen, die das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der ÖAW gemeinsam mit seinem Kooperationspartner, dem ITAS Karlsruhe, für das österreichische Parlament aufbereitet hat.

16.06.2026
CC0 (Cristian Jacinto)

Natürlicher Pflanzenschutz durch Biopestizide

Der großflächige Einsatz synthetischer Pestizide schützt zwar die Ernte vor Schädlingen. Das passiert jedoch häufig auf Kosten der Umwelt. Weniger Biodiversität und gesundheitliche Belastungen für die Bevölkerung sind die größten Schattenseiten dieser Entwicklung. Daher werden sichere und nachhaltige Alternativen dringend benötigt. Dazu zählen Biopestizide, die aus natürlichen Substanzen aus Tieren, Pflanzen, Mikroorganismen oder Mineralien hergestellt werden. Sie wirken gezielter gegen bestimmte Schädlinge, sind weniger giftig und besser abbaubar. In Kombination mit anderen Maßnahmen, etwa mechanischen Verfahren, dem Einsatz resistenter Sorten sowie dem Schutz und der Förderung von Nützlingen sind Biopestizide eine nachhaltige Alternative, die es weiter zu entwickeln gilt.

Herausforderung Demenz

Demenz ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen, die das Gedächtnis, das Denkvermögen und die Fähigkeit, alltägliche Aufgaben zu bewältigen, beeinträchtigen. Österreichweit sind heute etwa 170.000 Menschen von Demenz betroffen und aufgrund der demographischen Entwicklung wird bis 2050 mit einem Anstieg auf etwa 230.000 Erkrankte gerechnet. Dies stellt auch für den Staat eine wirtschaftliche Belastung dar. Neue technisch-pharmakologische Entwicklungen versprechen Verbesserungen, etwa bei der Risikoeinschätzung und (Früh-)Diagnose mit Hilfe von Blutbiomarkern, künstlicher Intelligenz oder Daten, die mittels Smartphone gesammelt werden. Neue Medikamente befinden sich noch in der Entwicklungsphase oder sind nur für kleine Gruppen geeignet. Umso mehr bedarf es einer Technikfolgenabschätzung zu diesem Thema.

Überfüllter Orbit

Die starke Zunahme an Satelliten sorgt zunehmend für Probleme in dem am meisten genutzten Bereich der Erdumlaufbahn. Er ist bereits fast zu voll mit Satelliten und Weltraummüll, eine problemlose Nutzung wird immer schwieriger. Durch weitere Innovationen, etwa Sonnenstromkraftwerke oder KI-Rechenzentren im Orbit, wird sich das Problem weiter verschärfen. Die Überfüllung führt schon jetzt zu schädlicher Lichtverschmutzung und kostspieligen Ausweichmanövern. Asteroideneinschläge auch fern der Erde und Cyberangriffe könnten zu einer Kettenreaktion von Kollisionen führen. Diese könnten den Ausfall wichtiger Beobachtungs- und Steuersysteme zur Folge haben. Die beginnende Nutzung sehr niedriger Umlaufbahnen ist zwar zunächst mit weniger Weltraumschrott verbunden, löst aber nicht die grundlegende Problematik. Eine umfassende internationale Zusammenarbeit und Regulierung, insbesondere auch der kommerziellen Akteure, sind daher dringend notwendig.

Quantensensoren

Quantensensoren nutzen Quantenphänomene zur Verbesserung von Navigation, Erdbeobachtung und Zellforschung. Sie könnten auch neue Formen der Überwachung ermöglichen. Ihre geopolitische und militärische Bedeutung erfordert daher eine gesellschaftliche Debatte. Denn wer diese Fähigkeiten nutzen kann, könnte gegenüber anderen Akteuren einen signifikanten Vorteil haben, den sogenannten "Quantum Advantage". 
Diese und alle weiteren Zukunftsthemen informieren Parlamentarier:innen und deren Mitarbeiter:innen über aktuelle sozio-technische Entwicklungen und stellen unabhängige Expertise zur Verfügung. Mit dem aktuellen Monitoringbericht werden Themen für weitere Studien vorgeschlagen. 

 

Links

Für den Bericht im ersten Halbjahr 2026 wurden folgende sechs sozio-technische Themen als besonders relevant für Österreich und das österreichische Parlament identifiziert:

1.    Quantensensoren
2.    Herausforderung Demenz  
3.    Biopestizide
4.    KI und Arbeitsmarkt: Deskilling und Berufseinstieg
5.    Neue Technologien gegen chronische Schmerzen
6.    Überfüllter Orbit

Die Inhalte des aktuellen Monitorings als PDF sind auf der Website des österreichischen Parlaments abrufbar: Foresight & Technikfolgenabschätzung: Monitoring Mai 2026. Auch alle knapp 200 Zukunftsthemen aus den vergangenen Jahren können auf der Parlamentswebsite in der Rubrik „Zukunftsthemen“ durchsucht werden.