
Die österreichische Industriestrategie 2035 hat zum Ziel, den Wirtschaftsstandort Österreich zu stärken, neue Märkte zu erschließen und Österreich im internationalen Feld wettbewerbsfähig zu halten. Doch wie fügen sich Nanomaterialien und Advanced Materials in dieses Bild ein? Dies war das Kernthema der diesjährigen 17. NanoTrust-Tagung, die am 24. September in den Räumlichkeiten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien stattfand. Im Rahmen der Veranstaltung trafen sich knapp 50 Vertreter:innen der Fachbranche sowie Expert:innen aus Forschung, Regulierung, Industrie und Forschungsförderung. Sie stellten ihre Forschung vor und diskutierten u,a, über die Möglichkeiten einer sozial gerechten und ökologischen Transformation der Industrie für Österreich.
Die sogenannten Schlüsseltechnologien der Industriestrategie 2035, in die bis 2029 rund 2,6 Milliarden Euro investiert werden, sind breit aufgestellt: Künstliche Intelligenz, elektronische Komponenten, aber auch Weltraum- und Luftfahrt- sowie Umwelttechnologien finden darin Erwähnung. Fortgeschrittene Werkstoffe, die sogenannten Advanced Materials, ziehen sich wie ein roter Faden durch alle diese Technologien.
„In drei Sessions, die jeweils aus zehnminütigen Präsentationen und einer Podiumsdiskussion bestanden, diskutierten wir über die Chancen und Herausforderungen einer erfolgreichen Umsetzung der Industriestrategie sowie insbesondere der Rolle von Nanomaterialien und Advanced Materials als Schlüsseltechnologie im Industrieland Österreich,“ so Jean Schmitt vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) über das Programm der NanoTrust-Tagung.
Zum Auftakt betonte Roland Sommer, Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0, in seinem Vortrag als Keynote-Speaker zum Thema Industriestrategie die Bedeutung von Innovation als Treiber der Wettbewerbsfähigkeit. Er hob die einzigartige Kompetenz österreichischer Firmen bei der Entwicklung neuer Materialien, darunter vor allem den Advanced Materials, hervor. Er identifizierte Stärken im Fluss aller Ressourcen, die in den Innovationsprozess eines Unternehmens oder einer Institution einfließen, wie beispielsweise finanzielle Mittel, qualifiziertes Personal, technische Ausstattung und Informationen (F&E-Input). Er wies darauf hin, dass es hinsichtlich messbarer Ergebnisse, Erträge und Innovationen, die aus Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten hervorgehen (F&E-Output), noch Verbesserungspotenzial gebe – insbesondere hinsichtlich Skalierbarkeit.
Auf Roland Sommer folgten in der ersten Session des Tages Marcello Entner (FCIO) mit seinem Vortrag über die Chemieindustrie im Wandel sowie Maximilian Morgenbesser, der einen Überblick über die Fördermöglichkeiten im Rahmen der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gab.
Nach intensiver Diskussion folgte die zweite Session, die ganz im Fokus der Advanced Materials, ihrer Chancen für die Industriestrategie und deren Nachhaltigkeit stand: Maximilian Kinzl (Umweltbundesamt) eröffnete diesen Abschnitt mit einem Vortrag über die Regulierung von Advanced Materials. Darauf folgte Andreas Falk (BioNanoNet), der einen Überblick zum Thema Circular Advanced Materials gab. Julia Wenger (TU Graz) schloss den Themenblock mit dem Thema der Ökobilanzierung (Life Cycle Assessment, LCA) bei der Bewertung neuer Technologien und Materialien ab.
Auch Session 3 war ganz den Advanced Materials als zukunftsfähige Materialien gewidmet: Stefan Stadlbauer (Protovation) erörterte den Weg vom funktionellen Prototypen zur kommerziellen Technologiereife, während Alexander Opitz (TU Wien) einen neuartigen Batterietyp basierend auf Sauerstoffionen vorstellte. Als letzter Vortragender des Tages berichtete Andreas Flanschger (Bionic Surface Technologies) über Oberflächeninnovationen in Verbindung mit Advanced Materials.
In einem abschließenden Panel regten die Teilnehmer:innen zu neuen Ideen an und reflektierten die Ereignisse, Erkenntnisse, aber auch offenen Diskussionspunkte des Tages.
„Besonders hervorzuheben ist die große Vielfalt an Vortragenden, die sowohl aus der Grundlagenforschung, der Industrie, als auch der Wissenschaft teilgenommen haben. Die Vernetzung der Tagungsteilnehmer:innen war für uns von besonderem Interesse und die angeregten Diskussionen haben zu zahlreichen neuen Perspektiven geführt.“, zeigt sich Gudrun Lettner vom ITA zufrieden.
