
Jedes Tier besitzt seine eigene akustische Nische – von zirpenden Insekten über singende Vögel bis hin zu rufenden Amphibien und Fledermäusen. In einem artenreichen Ökosystem ist der gesamte Frequenzbereich von Lauten erfüllt. Die Ökoakustik macht sich dieses Prinzip zunutze: „Indem wir die Rufe der Tiere analysieren, können wir Rückschlüsse auf die Artenvielfalt und den Zustand eines Ökosystems ziehen – ganz ohne störende Eingriffe in die Natur“, sagt Anton Baotic.
Er ist Experte für Bioakustik, Tierverhalten und Tierkognition am Institut für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Der Biologe lauscht, wo andere nur Stille vermuten. Am Wiener Verschiebebahnhof Breitenlee setzt er gemeinsam mit seinem Kollegen, Robin Sandfort, innovative akustische Monitoringverfahren ein, um die Artenvielfalt über ihren Klang zu erfassen. „Besonders in urbanen Räumen liefert das akustische Monitoring wertvolle Erkenntnisse darüber, wie sich menschliche Aktivitäten auf die Tierwelt auswirken“, so der ÖAW-Forscher.
Technologie trifft Naturschutz
Mithilfe moderner Technologien wie Künstlicher Intelligenz werden Vogelgesang, Amphibienrufe und Insektengeräusche erfasst und automatisch ausgewertet. Genutzt werden kleine, autonome Audiorekorder, die rund um die Uhr Tierstimmen aufzeichnen. „Dadurch entsteht ein einzigartiges akustisches Archiv, das langfristige Veränderungen in der Biodiversität dokumentieren kann“, erklärt Baotic. Und: „Mit den gewonnenen Daten können wir wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für den Schutz von urbanen Lebensräumen geben.“
Ein Schlaglicht auf seine Forschung wirft der diesjährige Internationalen Tag gegen Lärm. Am 30. April öffnet das Institut für Schallforschung der ÖAW wieder seine Türen und lädt Besucher:innen dazu ein, die Welt der akustischen Biodiversitätsforschung selbst zu erleben – und zu entdecken, wie Schall & Co unser Leben und unsere Umwelt beeinflusst.
Interaktive Erlebnisse rund um Schall und Lärm
Ob Tierstimmen entschlüsseln oder die eigene Wahrnehmung von Schall auf die Probe stellen – in zahlreichen interaktiven Experimenten und Mitmachstationen wird erfahrbar, was Akustik alles kann: Wie laut ist meine eigene Stimme? Wie lange kann man wie laut hören? Und wann wird Schall zum Lärm?
An der Station „Schrei den Lukas“ kann jeder testen, wie laut er wirklich ist, während bei der Station „Biologie der Musikalität“ spannende Einblicke in das Hörvermögen von Tieren geboten werden. Die Station „Zwei Ohren sind mehr als doppelt so gut“ zeigt, wie unser Gehirn aus Tönen Räume erschafft. Und wer wissen will, wie Lärm im Verkehr entsteht und reduziert werden kann, ist bei der Station „Lärmschutz im Verkehr“ genau richtig.
Warum Lärm uns alle betrifft
Der internationale Tag gegen Lärm, auch als International Noise Awareness Day bekannt, wurde 1996 vom Center for Hearing and Communication (CHC) in New York ins Leben gerufen. Seit 2015 beteiligt sich das Institut für Schallforschung der ÖAW aktiv an diesem weltweiten Aktionstag. Ziel ist es, Bewusstsein für die Auswirkungen von Lärm auf Mensch und Natur zu schaffen – und Wege aufzuzeigen, ihn zu reduzieren.
Tag gegen Lärm
Mittwoch, 30. April 2025, 15:00-20:00 Uhr (keine Anmeldung erforderlich)
Institut für Schallforschung der ÖAW, Georg-Coch-Platz 2, 1010 Wien
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