Wissens- und Kulturtransfer zwischen Österreich und Iran: Jacob Eduard Polak


Projektleitung: Prof. Dr. Bert G. Fragner 

Projektbearbeitung: Dr. Afsaneh Gächter

Projektlaufzeit: 11/2008 – 12/2012

Projektbeschreibung

Im Zentrum des Forschungsprojekts standen das Leben sowie das interkulturelle Wirken des österreichischen Arztes und Ethnographen Jacob Eduard Polak (1818–1891). Im Rahmen beginnender Modernisierungsbestrebungen in Iran organisierte Polak 1851 die Errichtung der ersten modernen medizinischen Schule in Teheran und lehrte dort Anatomie und Chirurgie. Er erlernte die persische Sprache und verfasste für seine iranischen Schüler Lehrbücher und Skripten. 1855 wurde Polak zum "königlich persischen Leibarzt" von Naser al-Din Schâh Qajar ernannt. Neben diesen Tätigkeiten befasste er sich auch mit soziokulturellen und naturwissenschaftlichen Forschungen. Nach seiner Rückkehr aus Iran 1860 betätigte sich Polak in Österreich auf verschiedenen Gebieten der Wissenschaft, Administration, Diplomatie, Ökonomie und Kultur. Diese Tätigkeiten übten nachhaltig positiven Einfluss auf reziproke Beziehungen zwischen dem Habsburgerreich und Iran aus. 1865 verfasste er ein umfassendes ethnographisches Werk über Iran, das auch heute noch als Standardwerk häufig von Historikern konsultiert wird. In Kooperation mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem Naturhistorischen Museum in Wien organisierte und förderte er naturwissenschaftliche Expeditionen nach Iran. Polaks vielfältige Tätigkeiten waren in ein Netzwerk wissenschaftlicher Institutionen, wirtschaftspolitischer Einrichtungen, aber auch internationaler Personengruppen eingebettet.

Aufgabe des Projekts am Institut für Iranistik war es, Polaks mannigfaltige Leistungen festzuhalten, zu analysieren sowie seine interkulturelle Vermittlerrolle herauszustreichen. Wesentliche Quellen für die Untersuchung bildeten dabei die bisher unbearbeiteten schriftlichen Materialien (Monographien und Artikel in diversen Sprachen) sowie die Auswertung unpublizierter Dokumente in diversen Archiven (Österreich, Israel, Iran sowie Tschechien).