URBANISIERUNG UND SOZIO-ÖKONOMISCHE KOMPLEXITÄT AN DER LIBANESISCHEN KÜSTE IN DER BRONZEZEIT
25.03.2015
Vortrag von Hermann Genz, American University of Beirut, Archaeology Department
Der Fundplatz Tell Fadous-Kfarabida liegt an der libanesischen Küste, 2 km südlich der modernen Stadt Batroun und 12 km nördlich der bedeutenden Ausgrabungsstätte Byblos.
Der Fundplatz wurde erst im Jahre 2004 entdeckt, und wird seitdem vom Department of History and Archaeology der American University of Beirut untersucht.
Der lediglich 1,5 Hektar grosse Fundplatz weist Besiedlungsspuren vom 4. Jahrtausend bis zum beginnenden 2. Jahrtausend v. Chr. auf, d. h. vom Chalkolithikum bis in die beginnende Mittelbronzezeit.
Das 4. Jahrtausend ist bislang lediglich durch Streufunde belegt. Die Hauptphase der Besiedlung fällt in das 3. Jahrtausend. Drei direkt aufeinander folgende Architekturphasen repräsentieren die Frühbronzezeit II–III. Die Architektur der Frühbronzezeit III ist vor allem durch monumentale Gebäude von administrativem oder repräsentativem Charakter vertreten. Funde von Rollsiegeln in den monumentalen Gebäuden unterstreichen deren administrative Funktion.
In der Frühbronzezeit IV deutet sich hingegen ein Niedergang der Siedlung an, da diese Periode bislang nur durch Gruben vertreten ist. Desgleichen ist die beginnende Mittelbronzezeot nur durch Gruben und Gräber vertreten.
Die bisherigen Ergebnisse illustrieren, dass die Bedeutung einer Siedlung nicht unbedingt nur durch ihre Grösse erschlossen werden kann. Aufgrund der geringen Grösse des Platzes kann ausgeschlossen werden, dass es sich um einen politisch eigenständiges Zentrum handelt. Dennoch deutet die Präsenz von monumentalen Gebäuden in der Frühbronzezeit III an, dass es sich um einen Ort von einiger Bedeutung gehandelt haben muss. Die engen Verbindungen der materiellen Kultur zu Byblos implizieren, dass es sich bei Fadous-Kfarabida um ein regionales Verwaltungszentrum unter der Kontrolle von Byblos gehandelt haben könnte. Sollte sich diese Hypothese bestätigen, läge somit ein Hinweis auf grössere territoriale Einheiten bereits in der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. vor.
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