Mario Gavranovic, OREA Guest Scientist /
Ajla Sejfuli, Regionalmuseum Travnik /
Aleksandar Jašarevic, Regionalmuseum Doboj
Der Vortrag gibt den aktuellen Einblick in die Forschungstätigkeit der bosnischen Regionalmuseen in Travnik (A. Sejfuli) und Doboj (A. Jašarevi?), die seit der Schließung des Landesmuseums in Sarajevo im Jahr 2011 nicht nur die archäologische Struktur des Landes aufrechterhalten, sondern auch neue Impulse für die zukünftigen Untersuchungen geben. Insbesondere im Hinblick auf die Spätbronzezeit wurde das Gesamtbild durch neue Grabungen und Entdeckungen (Zufallsfunde) sowie durch die Aufarbeitung der bislang unpublizierten Funde wesentlich ergänzt.
Das Arbeitsgebiet von A. Jašarevic umfasst das nordbosnische Hügel- und Flachland am südlichen Rand des Karpatenbeckens. Eine besondere Rolle im prähistorischen Kommunikationsnetz zwischen Karpatenbecken und spätbronze- und früheisenzeitlichen Kulturen des Balkans kommt dabei dem weiträumigen Bereich am unteren Lauf des Flusses Bosna zu. Das neue vorgelegte Fundmaterial aus den Siedlungen Vis und Dobor unterstreicht deutlich das komplexe Beziehungsgeflecht dieser Mikroregion. Die umfassende Untersuchung der spätbronze- und früheisenzeitlichen Periode bietet die Möglichkeit die vielfältigen Verbindungen Nordbosniens in der Zeit zwischen dem 10. und 8. Jh. v. Chr. zu erfassen und die kulturelle Dynamik dieser Epoche zu rekonstruieren.
Die Forschungen von A. Sejfuli konzentrieren sich auf die Bergregionen Zentralbosniens mit ihrer eigenständigen kulturellen Entwicklung in der Spätbronzezeit. Bislang wurden hauptsächlich Höhensiedlungen wie Pod, Kopilo oder Varvara erforscht, zeitgleiche Gräber sind bislang noch nicht bekannt. Charakteristisch für Zentralbosnien ist vor allem die spezifische Keramik mit eingeritzten geometrischen Motiven. Die gleichen Ornamente erscheinen auch auf Bronzen. Ein eindrucksvolles Beispiel sind die Objekte aus dem Depot Veliki Mošunj, darunter auch ein Vollgriffschwert mit reich dekorierter Bronzescheide. Zwei nahezu idente Schwerter, die erst im letzten Jahr in der Gemeinde Jajce entdeckt wurden, weisen auf die Existenz einer lokalen, spezialisierten Werkstatt hin. Offen bleibt bislang noch die Frage, ob für diese lokale spätbronzezeitliche Bronzeproduktion bereits auf die örtlichen Kupfererzquellen zurückgegriffen wurde.
Institut für Ur- und Frühgeschichte, Hörsaal 7
Universität Wien / Archäologiezentrum
Franz Klein-Gasse 1, A-1190 Wien

