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KRITISCHE REFLEXIONEN ZUR HERKUNFTSBESTIMMUNG ARCHÄOLOGISCHER METALLFUNDE

Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Eberhard Karls Universität Tübingen und Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie, Mannheim

30.09.2015

Vortrag von Ernst Pernicka


Die Hypothese, dass Spurenelementmuster eine Information über die Herkunft von archäologischen Metallobjekten enthalten, ist mehr als 150 Jahre alt. Aber erst seit etwa 80 Jahren stehen die entsprechenden analytischen Methoden zur Verfügung, die ständig weiter entwickelt werden. Es wurden große Analysenserien durchgeführt, deren Wert für die archäologische Forschung lange umstritten war. Heute weiß man, dass die Herkunftsinformation nur teilweise auf dem Weg vom Erz zum Metall erhalten bleibt und eine sorgfältige Auswahl der betrachteten Spurenelemente notwendig ist.

Dennoch sind erst durch die Einführung der Isotopenanalyse überzeugende Beispiele von Herkunftsbeziehungen zwischen archäologischen Metallobjekten und bestimmten Erzlagerstätten bekannt geworden. Dies betrifft vor allem die Isotopenverhältnisse des Bleis, die einen Durchbruch bei der Herkunftsbestimmung von Blei und Silber gebracht haben. Prinzipiell sind sie auch auf Kupfer und Kupferlegierungen anzuwenden. Aber hier sind die besten Ergebnisse durch eine Kombination von Spurenelementmustern und Bleiisotopenverhältnissen erzielt worden, wie an Beispielen der Frühbronzezeit in Mitteleuropa (Nebra, Apa, Hajdusamson) gezeigt wird. Legierungen bestehen aus zwei oder mehr Metallen, von denen mit dieser Methodik nur eines bezüglich seiner Herkunft untersucht werden kann. Für Zinnbronze gibt es seit kurzer Zeit eine neue Methode der Isotopenverhältnisse des Zinns, mit der z.B. die Herkunft des Zinns in Mitteleuropa untersucht wird.

In den letzten Jahren sind aber auch scheinbar neue Konzepte und Interpretationen von geochemischen Daten vorgestellt und zur Ermittlung der Herkunft und sogar die Datierung prähistorischer Metallfunde herangezogen worden. Bei näherer Betrachtung stellt sich aber heraus, dass vorgefasste Meinungen durch naturwissenschaftliche Daten untermauert werden und deren Interpretation als einzig mögliche dargestellt wird. Es wird gezeigt werden, dass alternative Interpretationen besser mit dem archäologischen Wissensstand in Einklang zu bringen sind.

 

Postgasse 7/1/11, Seminarraum