Vortrag von Raiko Krauß, Universität Tübingen
Seit seiner Entdeckung im Jahr 1972 gilt das Gräberfeld von Varna an der bulgarischen Schwarzmeerküste als Beispiel für frühe soziale Differenzierung. Auffallend viele der Gräber sind mit reichen Beigaben ausgestattet, darunter auch erstmals zahlreiche Kupfergeräte und Goldschmuck. Es handelt sich, zusammen mit kleineren Fundensembles aus der älteren Gräbergruppe Varna II, sowie Siedlungsfunden aus Belovode (Ostserbien), Akladi Chairi (Südostbulgarien) und jüngst auch aus Junacite (Südwestbulgarien), überhaupt um die weltweit ältesten Metallfunde. Herausragend sind auch einige Deponierungen und sogenannte symbolische Bestattungen im Gräberfeld von Varna, die besonders viele Metallfunde enthielten. In dem Vortrag werden die Ergebnisse der statistischen Auswertung der Grabinhalte vorgestellt werden, mit deren Hilfe eine interne chronologische Gliederung der Bestattungen erarbeitet werden konnte. Darauf aufbauend konnten nun erstmals die verfügbaren Radiokarbondaten archäologisch modelliert und von ausgewählten Komplexen zusätzliche neue Daten gewonnen werden. Durch begleitende geoarchäologische Forschungen wurden auch neue Erkenntnisse zur Herkunft des Goldes und Rohkupfers gewonnen.
Über die chronologische Ordnung der Gräber und Deponierungen gelingt es nun auch, die frühen Kupfer- und Goldgegenstände Südosteuropas in eine zeitliche Ordnung zu bringen. Gleichfalls vorgestellt werden die wichtigsten Ergebnisse einer neuen anthropologischen Untersuchung der Skelettreste sowie die Forschungen an den Goldgegenständen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projektes der Eberhard Karls Universität Tübingen.
OREA Lecture Room, Hollandstraße 11–13, 1020 Wien

