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DAS FRAGMENT BERLIN NR. 1116 ALS ZEUGE EINER BISHER UNBEKANNTEN KÖNIGSLISTE UND DEREN STELLUNG IN DER ÄGYPTISCHEN ÜBERLIEFERUNG

Vortrag von Roman Gundacker, OREA

18.11.2015
Das Fragment Berlin Nr. 1116 (nach C. R. Lepsius, Denkmäler, II. Abth., Bl. 152.d)

Die Erforschung der ägyptischen Chronologie nahm ihren Anfang mit der Auswertung der Königslisten, wie sie die griechischen Historiker, allen voran Herodot, Diodorus Siculus sowie Manetho und Pseudo-Eratosthenes/Pseudo-Apollodorus, der Antike überlieferten. Im 19. Jahrhundert ergänzte die Entdeckung ägyptischer Königslisten in den Tempeln von Abydos und in einem Grab nahe Memphis sowie der Reste der königlichen Annalen und des nach seinem Aufbewahrungsort benannten Turiner Königspapyrus das Bild. Gleichzeitig förderte die Archäologie mehr und mehr zeitgenössische Materialien zutage, die einer Präzisierung der Chronologie zugeführt und zur Kritik der Königslisten genutzt wurden. Die komplexe Überlieferung der ägyptischen Königslisten, besonders jener, die über die klassische Antike vermittelt wurden, führte jedoch in jüngerer Zeit zunehmend dazu, sie nicht mehr kritisch auszuwerten, sondern als hoffnungslos korrumpiert aufzugeben. 

Manchmal jedoch sind die vermeintlich verderbtesten Quellen nichts anderes, als Zeugen einer abseits des Hauptstromes der Überlieferung liegenden Nebenzweiges voller interessanter Details und Varianten. Im Falle der Königsliste nach Pseudo-Eratosthenes/Pseudo-Apollodorus bietet ein zwar schon C. R. Lepsius bekannter, aber bislang größtenteils übersehener bzw. übergangener Block die einmalige Gelegenheit, den ägyptischen Quellen von Pseudo-Eratosthenes/Pseudo-Apollodorus nachzuspüren und auf diese Weise dem  historisch-chronologischen Kern der ägyptischen Königslisten einen entscheidenden Schritt näher zu kommen

 

Postgasse 7/1/10, Seminarraum