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Die Digitalisierung von Leben am Beispiel des Naturhistorischen Museums Wien

Die Digitalisierung lässt naturhistorische Museen auf der ganzen Welt in einem neuen Licht erscheinen. Durch interaktive und digitale Plattformen kann die Öffentlichkeit so unmittelbar wie nie zuvor in die Geschichte rund um Ausstellungsstücke und evolutionäre Entwicklungen eintauchen. Was die Vor- und Nachteile der Digitalisierung von Leben sind beleuchtet ITA-Forscherin Karen Kastenhofer mit Unterstützung des Naturhistorischen Museums Wien.

17.12.2025
Objekt aus dem 3D-Museum (Plattform Sketchfab) Bild: skfb.ly/onAWy

Am 7. August im Jahr 1908 entdeckte ein Team unter der Leitung von Josef Szombathy eine der berühmtesten archäologischen Funde aller Zeiten: die Venus von Willendorf. Über 29.000 Jahre ist diese Figur alt, seit 2015 kann man sie im Naturhistorischen Museum in Wien bestaunen. Was aber, wenn man mit einem Klick die Geschichte der Venus in all ihren Facetten nachvollziehen könnte? Die interaktive Plattform „Beyond the Item“ ermöglicht dies. Sie ist nur ein Beispiel für die Spuren, die die Digitalisierung in Museen hinterlässt.

Karen Kastenhofer, Senior Scientist am Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, hat in ihrem Projekt „Das Naturhistorische Museum Wien als Drehscheibe der BioDigitalisierung“ ein Jahr lang untersucht, wie sich die neue Welle digitaler Ansätze auf die lebenswissenschaftliche Forschung im Museum auswirkt. Wie vermeidet man das Risiko, übereilt analoge Quellen durch digitale zu ersetzten? Wie kann man digitale Transformationen so gestalten, dass die Ergebnisse wissenschaftlich robust und gesellschaftlich förderlich sind? Und verändert sich dadurch zuletzt auch die Rolle des Museums selbst?

„In meiner Forschung zu digitaler Transformation spielen die Identität und die Besonderheiten der verschiedenen Museen und Institutionen eine wichtige Rolle“, so Kastenhofer. „Das Naturhistorische Museum Wien bemüht sich auf viele Arten um einem Dialog, mit anderen Forschungseinrichtungen und mit den Besucher:innen. Dazu gehört, dass man Forschung offen und transparent gestaltet und nach außen kommuniziert, etwa durch Open Science. Das ist auch den Expert:innen am Museum bewusst. Darüber hinaus ist eine gute Balance zwischen problemspezifischen Ansätzen einzelner Forschungsgruppen und Disziplinen und integrativen Ansätzen, die das ganze Museum und all seine Sammlungen abbilden weit über das konkrete Fallbeispiel des Naturhistorischen Museums Wien relevant. Die verschiedenen Möglichkeiten für digitale Transformation abzuschätzen, ist auch für andere Institutionen wichtig.“

Fest steht für Kastenhofer, dass die Stärke digitaler Ansätze weniger darin besteht Ressourcen einzusparen als zusätzliche neue Möglichkeiten zu erschließen. „Rasche und günstige Lösungen enden oft in einem Verlust von Qualität und Funktionalität. Digitalisierung kann und soll analoge Objekte in vielen Fällen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Sie ist auch kein Allheilmittel. Durch ihre Implementierung können sich neue Probleme auftun oder bestehende Problem neu stellen. Daher braucht es Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ressourcen um den Charakter und die gesellschaftliche Bedeutung von Museen mit digitalen Optionen zu stärken.“

Wichtige Projektergebnisse hat Kastenhofer im ITA-Dossier „Digitalisierte Natur“ zusammengefasst, nachlesen kann man sie hier

Weitere Links

ITA-Projekt: BioDigitalisierung im Museum

Beyond the Item