
Von 2. bis 4. Juni lädt das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit dem Netzwerk globalTA zur ersten weltweiten TA-Konferenz nach Wien. Das Programm umfasst rund 80 Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden, diskutiert wird etwa über aktuelle Forschung zu Digitalisierung, Quantentechnologie, Hypes in den Technowissenschaften oder klimarelevanten Technologien.
Mit dabei sind Forscher:innen aus Nordamerika, Lateinamerika, Afrika, Asien, Europa, Australien und Ozeanien. "Technikfolgenabschätzung hat zwar seinen Ursprung in der westlichen Welt, kam aus den USA und hat sich in Europa etabliert, ist aber heute ein globaler Trend. Das große Interesse an dieser Konferenz zeigt, dass aus verschiedenen Perspektiven und in unterschiedlichen Kulturen und politischen Systemen Bedarf für wissenschaftsbasierte Politikberatung in Technikfragen besteht“, betont ITA-Direktor Michael Nentwich, der die Veranstaltung mit seinem Team und einem internationalen Advisory Board organisiert.
Impact erzeugen, aber wie?
Wie passiert Technikfolgenabschätzung und Politikberatung im Bereich Technik und Gesellschaft weltweit? Welche Rolle spielen dabei internationale Organisationen, und welche Voraussetzungen sorgen dafür, dass TA in einem globalen Kontext gelingt? Einblick zu diesen und anderen Themen bieten die Inputs von Julia Hahn (Deutschland), Mitbegründerin des Netzwerks globalTA, Wissenschaftsdiplomat Krishna Ravi Srinivas (Indien), Karen Howard (USA), Direktorin der TA-Einrichtung des US-Parlaments, Mahlet Teshome (Äthiopien), die bei der African Union arbeitet, und von Peta Ashworth von der Curtin University (Australien), die die internationale TA-Szene seit langem beobachtet. Neben vielen Vorträgen und mehreren Workshops – etwa zu effektiver Kommunikationsarbeit oder zur Entwicklung globaler Strategien für Probleme wie Nahrungsmittelknappheit oder Pandemien – ist ein weiterer Höhepunkt die Keynote des chilenischen Experten für parlamentarische TA, Raimundo Roberts, der Technifolgenabschätzung aus der Perspektive Lateinamerikas beleuchten wird.
Herausforderungen der Digitalisierung
Zahlreiche Vorträge thematisieren, welche Strukturen und Regeln es braucht, um negativen Auswirkungen der Digitalisierung vorzubeugen, insbesondere vor dem Hintergrund globaler Wirkungsketten, universell gültiger Standards und regional unterschiedlicher Wertesysteme. Maria Maia und Claudia Brädle (Portugal/Deutschland) diskutieren ethische Aspekte in der europäischen Forschung rund um künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen, aber auch in den Bereichen Genom-Editierung und beim Anlegen sogenannter Biobanken, also bei der Erfassung von Biomaterialien. Astrid Mager, langjährige TA-Expertin am ITA und Mitbegründerin der Kommission „Demokratie in digitalen Gesellschaften“ an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ergänzt die Diskussion um Technik und Werte im globalen Kontext. Christoph Henrich (Fidji) berichtet über Klimatechnologien im Pazifik und Marko Monteiro (Brasilien) beschäftigt sich am Beispiel der Covid19-Pandemie mit Systemresilienz.
Mitmachen erwünscht!
Spannend versprechen auch die Sessions zu Hypes und ihren Auswirkungen auf die Technikentwicklung, und zu TA und Quantentechnologien zu werden. Ein interaktives Panel fragt, welche Institutionen für eine erfolgreiche TA wesentlich sind. Den Abschluss der Veranstaltung macht ein prominent besetzter runder Tisch mit Expert:innen aus internationalen Organisationen, den Douglas Robinson (OECD) leiten wird.
„Wir freuen uns sehr, dass es uns erstmals gelungen ist, TA-Expert:innen aus der ganzen Welt nach Wien zu holen. Für eine demokratische Gesellschaft wird es immer wichtig sein, sich damit auseinander zu setzen, wie Technik zum Wohl von Menschen und Umwelt eingesetzt werden kann. Globale Dimensionen müssen wir dabei noch viel besser zu berücksichtigen lernen. Das gelingt nur im persönlichen internationalen Austausch“, so Karen Kastenhofer, die Ko-Organisatorin der Konferenz und stellvertretende Leiterin des ITA.
