Nach der Promotion sub auspiciis praesidentis 1965 in Wien und der Habilitation 1969 in Marburg/Lahn trat Peter Wiesinger im Jahr 1972 die Professur für Deutsche Sprache und ältere Literatur an der Universität Wien an, die er bis 2006 innehatte. 1972 wurde er auch Mitglied der Kommission für Mundartkunde und Namenforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Diese Position behielt er bis 1999, als er schließlich Obmann des Instituts für Österreichische Dialekt- und Namenlexika wurde und dies bis zur Neustrukturierung im Jahr 2006 blieb.
Als Peter Wiesinger den Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft am Institut für Germanistik der Universität Wien 1972 übernahm, teilten sich er und seine Mitarbeiter*innen die Räumlichkeiten in der Liebiggasse 5, wo auch der Hauptkatalog und die Bibliothek zum Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich untergebracht waren. Peter Wiesingers Forschungsziele und Projekte galten zu diesem Zeitpunkt der Bibliographie zur Grammatik der deutschen Dialekte und der Dialektgeographie, was schließlich in seiner grundlegenden und vielzitierten „Einteilung der deutschen Dialekte“ im HSK-Band von 1983 Ausdruck fand. Im Laufe der Jahre ergab sich daraus ein reger Diskurs und fachlicher Austausch mit den Mitarbeiter*innen am WBÖ. Als eine besondere Geste der Anerkennung empfanden diese die an sie gerichtete Widmung des von Wiesinger 1983 herausgegebenen Bandes „Die Wiener dialektologische Schule. Grundsätzliche Studien aus 70 Jahren Forschung“ mit dem darin enthaltenen Beitrag „Die Wiener dialektologische Schule in ihren grundsätzlichen Schriften“.
Peter Wiesingers vielseitiges Interesse an Sprach- und Wortgeschichte, Sprachgeographie, Lautentwicklung etc. hinterließ auch Spuren in den diversen Konzepten zur Straffung des WBÖ, an denen er als Kommissionsmitglied und später als Obmann des Kuratoriums mitarbeitete. Beschlüsse zu Kürzungen in der Präsentation der historischen Belege, kleinräumiger Lautungsdarstellungen, volks- und sachkundlicher Literatur sowie etymologischer Ausführungen trug er in Kenntnis des Publikationsdrucks mit, aber nicht ohne sein Bedauern darüber auszudrücken, dass dadurch wesentliche soziolinguistische und sprachhistorische Informationen fehlen würden.
Auch in den Jahren seit der Neuaufstellung des WBÖ im Jahr 2016 blieb Peter Wiesinger diesem als kooptierter Experte verbunden, und es bestand regelmäßig Kontakt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Wörterbuchs. Mit Peter Wiesinger verliert das WBÖ einen seiner wichtigsten Berater und Unterstützer. Sein wissenschaftliches Erbe aber wird weiterhin einen großen Einfluss auf die dialektologische Forschung haben.
