Mo, 26. August 2024 | Kategorie Blog

Bergluft, Musik, Algorithmen und neue Freundschaften

Bergluft, Müßiggang und Glocken-gebimmel: die Sommerakademie Disentis, veranstaltet von der Studienstiftung des deutschen Volkes (SdV), wie auch des Max Weber-Programmes Bayern kam gleich einem Sommernachtstraum in Aspik. Als einziger Österreicher durfte ich mich unter an die 100 deutschen Stiftler mischen und gemeinsam für zwei Wochen im schweizerischen Klosterdorf Disentis etwas (akademisches) Wohlbefinden kultivieren.

Text: Martin Scharinger.

Dem Namen einer Sommerakademie entsprechend, begann jeder Tag für uns Stiftis mit unserer Arbeitsgruppe. Insgesamt 6 Gruppen vertieften sich in die jeweilige Materie und wir Teilnehmende konnten dabei von der Leitung herausragender Dozierenden profitieren. In meiner Gruppe beschäftigten wir uns mit „The Science of Decision-Making“, nahmen also den Entscheidungsfindungsprozess aus Perspektive der Informatik in Augenschein. Wie trifft eine K.I. eine Entscheidung? Was macht die Algorithmen eines Roboterschwarms intelligent? Prof. Dr.-Ing. habil. Sanaz Mostaghim nahm uns auf einen Crashkurs durch alle wichtigen Bereiche ihrer Forschung mit. Dabei schaffte sie es nicht nur, Fachfremde wie mich abzuholen, sondern auch eine Atmosphäre von zwangloser Gemeinsamkeit aufzubauen. Kernaussage ihres Lehrstils war dabei immer: „Lasst eure Freizeit euch heilig sein!“

Und eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung war in Disentis kein Meisterstück. Die alpine Traumlandschaft lud zum Entdecken ein, das Wetter selbst war zum reinen Müßigang fast zu schade. Und wer der Geografik leid war, für den bot der Kloster-Hotel-Gymnasiumkomplex zahlreiche Möglichkeiten wie Musikräume oder eine Turnhalle, wie auch genug Platz für die unzähligen Angebote von und für Stiftis: Tanzkurse, Karaoke, Brettspiele oder Filmabende ließen FOMO-Wogen hochgehen, hat man mal einen Nachmittag nur in der Sonne gelegen. Wie der Tag dann auch gewesen war, abends fand man sich im Plenum ein, um die Nacht vor einem Vortrag anklingen zu lassen.

Meine Tage verbrachte ich entweder hinter der größten Orgel des Kanton Graubündens, der Orgel der Klosterkirche St. Martin, hinter einem der 18 (!) Klaviere im Haus, oder in Gemeinschaft mit anderen Stiftis. Vom Volleyballspielen spüre ich heute zwar kaum noch die Füße, dennoch ist der Gedanke, am nächsten Morgen nicht mehr mit ihnen beim Lernen, Essen oder Lachen zusammenzusitzen immer noch etwas befremdlich. Die zwei Wochen reichten zwar nur für ein paar engere Freundschaften aus, ohne Zweifel wuchsen wir aber als Gemeinschaft zusammen. Irgendwann wird man sich wiedersehen, vielleicht auch bei einer nächsten Sommerakademien ... , sollte ich es wieder hinein schaffen. Empfehlen würde ich diese Kooperation zwischen deutscher und österreichischer Studienstiftung allemal: Liebe österreichischen Mitstiftis, diese Möglichkeit solltet Ihr Euch nicht entgehen lassen!

Text und Fotos | Martin Scharinger, Mitglied der Österreichischen Studienstiftung, Jahrgang 3